Prozess

Der doppelte Glaeseker

Party-Organisator und Gratisurlauber: Was wusste Christian Wulff über seinen Mitarbeiter?

Sie kommen der Reihe nach: Erst Olaf Glaeseker. Die Schirmmütze auf dem kahlen Schädel, strebt er wortlos Richtung Landgericht. Es sind nicht viele Fotografen und Kamerateams, die hier heute lauern. Kein Spektakel zu erwarten, auch kein früherer Bundespräsident. Keine Verflossene. Stattdessen: Christian S., Roman H. und Nina H. Im Zeugenstand des Schwurgerichtssaals. Glaesekers frühere Mitarbeiter, die zweite Reihe in der Staatskanzlei. Die erledigen mussten, was übrig blieb.

Aber man wusste schon, wo es grob langging damals im Erdgeschoss der Staatskanzlei des Christian Wulff. „Der bayerische Löwe“, sagt Christian S., „sollte das Niedersachsenross im Nacken spüren.“ Man wollte hier im Norden nicht mehr dauernd hinterherhecheln hinter dem viel erfolgreicheren Süden der Republik. Auch das war Sinn und Zweck der Nord-Süd-Dialoge, jener kleinen Promi-Party-Reihe, die Olaf Glaeseker am Ende die Karriere gekostet hat.

Am 22. Dezember 2011 versetzte Christian Wulff seinen einst besten Mitarbeiter in den einstweiligen Ruhestand, weil ein Presseartikel in Druck war, nach dem Glaeseker bei der Organisation der Nord-Süd-Dialoge Dienstliches und Privates nicht sorgfältig genug getrennt hatte. Er hatte in seiner Zeit als Regierungssprecher in Niedersachsen zum einen privat Urlaub in den Mittelmeer-Domizilen des Party-Managers Manfred Schmidts gemacht. Zum anderen hatte er sich aus dem Dienst heraus an der Sponsorensuche für die formal allein von Schmidt ausgerichteten Nord-Süd-Dialoge beteiligt. Einen Einsatz, so berichtet Roman H., den der Ministerpräsident im direkten Anschluss an die Veranstaltung am liebsten mit dem Verdienstorden des Landes Niedersachsen belohnt hätte. Ein Einsatz, den die Staatsanwaltschaft Hannover etwas später als Ausdruck der Bestechlichkeit des Regierungssprechers gewertet und diesen schließlich vor dem Landgericht angeklagt hat. Auf einen solchen Lauf der Dinge wäre in den Jahren 2007 bis 2009, als die Nord-Süd-Dialoge zweimal in Hannover und einmal in Stuttgart ausgerichtet wurden, nun wirklich kein Mensch gekommen. In Hannover war mander einhelligen Meinung, dass Schmidts Promi-Party „im Landesinteresse“ gelegen habe.

Ob der Ministerpräsident als Vorgesetzter nicht nur von Glaesekers Einsatz für das Gelingen des Nord-Süd-Dialogs gewusst hat, sondern auch von dessen kostensparenden Reisen zum offiziellen Veranstalter dieser Promi-Party? Wäre es so, hätte Wulff Glaesekers Doppelrolle gekannt und gebilligt, könnte der Ex-Sprecher auf ein milderes Urteil, vielleicht sogar einen Freispruch hoffen.

Man darf also weiter gespannt sein auf den 10. Februar – den Tag, an dem Christian Wulff als Zeuge in den Glaeseker-Prozess geladen ist.