Kommentar

Auf einem gefährlichen Weg

Torsten Krauel über die Geldgier des ADAC und den Wert der Glaubwürdigkeit

Der ADAC steckt im Schlamassel, und mit ihm ein ganzes Geschäftsmodell. Die wahrscheinliche Abschaffung des manipulierten Preises Gelber Engel macht den Zorn nicht gegenstandslos. Denn ein Teil der Führungsspitze des ADAC e. V. hat Verhaltensweisen gezeigt, die einem gemeinnützigen Verein nicht gut zu Gesicht stehen, wozu auch die Nutzung der Rettungshubschrauber als Transportmittel zählt – Überheblichkeit und die Verquickung von Gemeinsinn und Eigennutz.

Die Überheblichkeit betraf auch die hochnäsige Abwehr von Kritik. Das ist im Internetzeitalter noch gefährlicher als früher. Manche althergebrachten Organisationen haben noch nicht begriffen, dass Herrschaftswissen in der Computerwelt ein relativer Begriff geworden ist.

Vor dem Missbrauch digitaler Unterlagen schützt nicht Technik, sondern nur eines: unangefochtene Autorität, geschaffen durch Glaubwürdigkeit. Die Firma Apple, Vorreiter der digitalen Ära, war jahrelang das Ausspähziel Nummer eins. Solange Steve Jobs dort herrschte, blieben die Firmengeheimnisse geheim. Warum? Weil die Mitarbeiter loyal waren. Denn der erfindungsreiche Jobs gab den Mitarbeitern die wertvollste Belohnung überhaupt: Anerkennung, ja Bewunderung durch die Kunden. Kann man das derzeit vom ADAC sagen?

Ein Amtsgericht in München prüft nun zu Recht, ob der ADAC noch gemeinnützig sei. Mit dem Gelben Engel belohnte der Verein keine Unfallhelfer, die verunglückten Autofahrern geholfen hätten. Er belohnte einen Autokonzern für dessen angebliches „Lieblingsauto der Deutschen“. Der Preis trug aber den Namen einer ADAC-Stiftung für Unfallopfer und Unfallverhütung. Die Kür eines Lieblingsautos war vielleicht hilfreich für die siegreiche Autofirma. Dann aber bitte ohne Gemeinnützigkeitsstatus.

Dasselbe gilt für das neue ADAC-Linienbusnetz mit der Post. Erst trommelt der Club für die Freigabe des Linienfernverkehrs. Dann steigt er postwendend in das Geschäft mit ein. Was hat das mit der Gemeinnützigkeit des ADAC zu tun?

Ein guter Ruf ist in der modernen Wettbewerbsgesellschaft viel Geld wert. Das Internet aber steigert eben nicht nur die Wirkung eines Erfolgs, sondern auch die Schadenshöhe eines Fehltritts. Die ADAC-Spitze ist dabei zu erfahren, was das bedeuten kann. Diese Schande haben die vielen ehrlichen Pannenhelfer des Clubs, die wahren Gelben Engel, nicht verdient.