US-Wahlen

„Kann irgend jemand Hillary stoppen?“

Eine zweite Kandidatur Hillary Clinton szur US-Präsidentin sorgt für Schlagzeilen

Schmeichelhaft sieht das Gesicht wirklich nicht aus, das in der Art des Mannes im Mond als imaginärer „Planet Hillary“ von der aktuellen Magazinbeilage der „New York Times“ lacht. Und Feministinnen sind empört über das schreitende Frauenbein im High Heel auf dem Titelbild des Nachrichtenmagazins „Time“, an dessen so klischeehaft wie gefährlich anmutenden Stöckelabsatz sich ein verzweifeltes Männlein klammert mit der Frage: „Kann irgendjemand Hillary stoppen?“

Zu besichtigen ist eine einzigartige Kandidatur zum Weißen Haus. Politische Auguren und Kommentatoren überschlagen sich mit Betrachtungen zu den Erfolgsaussichten Hillary Clintons, die Spendensammelmaschinen sind angelaufen, Washingtoner Prominenz trommelt für die Wahl der einstigen First Lady und gewesenen Außenministerin im Jahr 2016. Das irritierende Moment dabei: Nicht nur die formale Erklärung Hillary Clintons steht aus, ob sie überhaupt antreten will. Sondern offenkundig auch ihre tatsächliche Entscheidung. Personen in ihrem Umfeld gehen davon aus, dass die 66-Jährige immer noch unentschlossen ist, ob sie in zwei Jahren erneut kandidieren soll.

„Wenn man mal überlegt, warum sich Menschen in diesen Zeiten zur Wahl stellen...“, sinnierte Hillary Clinton im Oktober, als sie die (erfolgreiche) Kandidatur von Terry McAuliffe für das Gouverneursamt in Virginia unterstützte. Sie fing den Satz neu an: „Wenn’s dabei nur um dich selbst geht, wenn’s nur darum geht, dass du gewählt wirst und die Vorteile mitnimmst, die damit zusammenhängen, und dass die Leute aufstehen, wenn du in den Raum kommst, das ist nicht mehr genug, weil es hart geworden ist. Politik ist hart geworden.“

Immerhin wäre es bereits ihr zweiter Präsidentschaftswahlkampf nach 2008, und die beiden Kampagnen an der Seite von Bill Clinton 1993 und 1997 mitgerechnet bereits ihr vierter. Sicher gilt eine Bewerbung der amtserfahrenen Hillary, die zur Unterscheidung von ihrem Mann im allgemeinen Sprachgebrauch zumeist auf ihren Vornamen reduziert wird, derzeit nahezu als Selbstläufer. Welcher Republikaner, bitteschön, sollte die Frau schlagen können, die in jeder Metropole und jedem Kaff der USA ebenso bekannt ist wie in der internationalen Arena, von Peking bis Kiribati?

Und doch gibt es genügend Gründe, Hillary an der Sinnhaftigkeit eines erneuten strapaziösen Präsidentschaftswahlkampfes zweifeln zu lassen. Da ist zunächst die böse Erinnerung an das Jahr 2008. Auch damals war sie die haushohe Favoritin im Feld der demokratischen Bewerber. Bis dann jener junge Senator namens Barack Obama, den Beobachter frühestens für 2012 auf dem Zettel hatten, seine Aufholjagd begann und mit klarem Vorsprung durchs Ziel ging.

Im Wahlkampf würde es mutmaßlich um die gesamte Bilanz der Außenministerin Hillary Clinton gehen. Was hat die populäre Politikerin tatsächlich erreicht? Ob ihr Nachfolger John Kerry erfolgreicher sein wird, lässt sich noch nicht sagen. Clinton hingegen setzte sich vor allem für „weiche Themen“ ein, für Frauenrechte in Entwicklungsländern oder für den Schutz von Kindern. Das ist unstrittig ehrenwert. Aber ob ihre Amtszeit konkrete Fortschritte auf diesen nur schwer in Zahlen zu zwingenden Themenfeldern brachte, lässt sich kaum realistisch bemessen. Was also würde Clinton qualifizieren für das Weiße Haus über den Familiennamen ihres Mannes hinaus, der trotz aller amourösen Verfehlungen immer noch einer der beliebtesten Präsidenten der USA ist?

Gleichwohl: Noch mehr Argumente sprechen derzeit für Hillary Clintons Kandidatur 2016. Im Lager der Demokraten ist bislang keine gefährliche Konkurrenz in Sicht. Andrew Cuomo und Martin O’Malley, die Gouverneure von New York und Maryland, haben US-weit einen geringen Bekanntheitsgrad. Harvard-Professorin Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts und engagierte Verbraucherschützerin, dürfte Wählern in der Mitte als zu links gelten und versichert im Übrigen, sie stehe nicht zur Verfügung. Vizepräsident Joe Biden würde hingegen mutmaßlich gern antreten, aber er hat erklärt, dies gelte nur für den Fall eines Verzichts von Clinton.