Extremismus

Vater Böhnhardt im NSU-Prozess: „Wir haben nichts geahnt“

Der Vater des mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt will von der rechtsextremem Karriere seines Sohnes nichts gewusst haben.

„Das haben wir damals überhaupt nicht geahnt“, sagte Jürgen Böhnhardt am Donnerstag im NSU-Prozess in München. Das sei „höchstens mal unterschwellig angekommen“. Auf Fotos habe man zwar gesehen, dass Uwe bei rechten Demonstrationen „mittendrin“ gewesen sei, dass er Bomberjacke und Springerstiefel getragen habe. „Aber das ist zu der Zeit normal gewesen, das haben alle Leute gehabt.“

Die Eltern hätten Uwe aber zur Rede gestellt; da habe dieser abgewiegelt oder keine Antwort gegeben. Man habe den „Ernst der Lage“ nicht erkannt, sagte Böhnhardt – obwohl Uwe wiederholt im Visier der Justiz war. Und auch Uwes Freunde Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, die man später ebenfalls auf Fotos von rechten Aufzügen gesehen habe, hätten er und seine Frau befragt. Man dürfe doch seine Meinung sagen, hätten sie geantwortet – und dass sie nichts ungesetzliches täten.

Jürgen Böhnhardt aus Jena schilderte zudem, wie er und seine Frau nach dem Untertauchen des Trios noch mehrfach Kontakt zu den dreien hatten, erst per Telefon, und dann habe man sich auch dreimal in Chemnitz getroffen. „Unsere Forderung war: Kommt zurück, stellt euch, es wird nicht besser.“ Doch die drei seien dazu nicht bereit gewesen. Das letzte Treffen war demnach 2002. Da hätten die drei gesagt: „Wir gehen jetzt fort, wir treffen uns nicht wieder.“ Und von damals an habe man bis vor gut zwei Jahren tatsächlich nichts mehr gehört.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe waren 1998 abgetaucht, nachdem die Polizei in Jena Garagen durchsucht hatte, in denen die drei eine Bombenwerkstatt eingerichtet hatten. Ab September 2000 begann die Mordserie an Geschäftsleuten ausländischer Herkunft. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos töteten sich am 4. November 2011 selbst, um der Festnahme zu entgehen.