Kunst

Streit um einen kleinen Hasen in Mandelas Ohr

Die Künstler haben sich an ungewohnter Stelle verewigt

Der Künstler kann die Empörung nicht nachvollziehen. Man brauche doch ein Fernglas, um den Hasen überhaupt zu sehen, gab André Prinsloo zu Protokoll. In neun Metern Höhe blickt das aus Kupfer geformte Tier auf Südafrikas Hauptstadt Pretoria hinab, gerade einmal wenige Zentimeter ist es groß. Das wäre an sich nicht verwerflich, hätte Prinsloo den Hasen nicht ungenehmigt im rechten Ohr einer prestigeträchtigen Statue platziert: der 800 Tonnen schweren Nachbildung des verstorbenen Nelson Mandela. Es vergingen immerhin fünf Wochen seit der feierlichen Einweihung vor dem Regierungssitz „Union Buildings“, dann war offenbar ein Fernglas zur Hand und der Hase enttarnt. Nun ist die Aufregung groß. Ein Sprecher des Kunstministeriums stellte wenig überraschend fest, dass „Nelson Mandela nie einen Hasen im Ohr hatte“.

Prinsloo hatte die Statue mit einem Kollegen und 335 Arbeitern angefertigt. Entstanden ist ein beeindruckendes Werk, bei dem den Künstlern aber die Signatur verwehrt wurde. Also habe man sich für das „kleine Symbol“ im Ohr entschieden, sagte Prinsloo. Und überhaupt: „Viele Leute haben die Statue während der Anfertigung aus der Nähe gesehen, und niemand hat etwas bemerkt.“ Die Bildhauer wollten auch auf die schnelle Bauzeit von vier Monaten aufmerksam machen. Hase heißt auf Afrikaans „Haas“, ein Wort, das auch Eile bedeuten kann.

Der Auftrag war vor Mandelas Tod aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Union Buildings vergeben worden. Dass die Einweihung kurz nach Mandelas Tod stattfand, ist Zufall. Damals hatte Präsident Jacob Zuma vorausschauende Worte gewählt. „Sie werden bemerken, dass diese anders als die anderen Mandela-Statuen ist“, sagte er in seiner Rede, sprach aber nicht vom Hasen. „Meistens hebt Mandela die Faust“, fuhr Zuma fort, „diesmal scheint er uns zu umarmen, er ist für die ganze Nation da.“

Die Künstler haben sich inzwischen entschuldigt und damit abgefunden, dass die Kombination von Mandela und Karnickel keinen historischen Bestand haben wird. „Die Regierung möchte, dass der Hase sobald wie möglich entfernt wird“, teilte das Kunstministerium mit. Es gelte, die „Würde der Statue wiederherzustellen.