Extremismus

Griechenland hat Angst vor einem neuen Terrorismus

Vor allem am linken Rand entstehen neue Gruppen

Das Beste, was man über Griechenlands Terrorgruppen sagen kann, ist, dass sie wie so vieles im Land sehr ineffektiv sind. 86 Gruppen waren bis vor Kurzem namentlich bekannt, jetzt sind es 87: Die „Volksrächer“ unterzeichneten zwei Briefe, die jeweils zwei Kugeln vom Kaliber 7,65 enthielten und an Zentralbankchef Giorgos Provopoulos sowie den bekannten TV-Journalisten Yannis Pretenderis adressiert waren.

Zuvor war einem prominenten Linksterroristen die Flucht aus dem Gefängnis gelungen. Nicht dass es filmreif gewesen wäre. Christodoulos Xiros, der berüchtigtste der Terroristen der Gruppe „17. November“, zu sechsfach lebenslanger Haft verurteilt, kehrte einfach nicht aus dem „Neujahrsurlaub“ zurück. In Griechenland dürfen auch Schwerverbrecher wie er nach acht Jahren Haft immer wieder mal für einige Tage die Vollzugsanstalt verlassen, um ihre Familien zu besuchen. Es sei eine „politische Entscheidung gewesen“, sagte sein Anwalt.

Nun fürchtet man, dass der „17. November“ wieder aktiv werden könne. Der „17. November“, dessen Anschlägen insgesamt 23 Menschen zum Opfer fielen, galt seit 2002 als erledigt. Damals war es der Polizei gelungen, die Organisation zu zerschlagen. Die Polizei spricht nun von einer „neuen Terrorszene“.

Neue Anschläge geplant

Zu den neuesten Gewächsen im griechischen Terrordschungel zählen die „Militanten Revolutionären Volkskräfte“. Sie hatten im vergangenen Jahr sich selbst des Mordes an zwei einfachen Anhängern der rechtsextremen „Goldenen Morgenröte“ bezichtigt, und dabei angekündigt, dass auch im einfachen Volk niemand vor ihren Anschlägen sicher sei – ihr Ziel sind nicht nur Funktionsträger des verhassten „Systems“.

Dass sich allerlei rührt in der gewaltbereiten linken Szene, wurde deutlich, als die neue Gruppe vor wenigen Tagen ein Elaborat von 21 Seiten veröffentlichte, das vom Innenministerium als „authentisch“ bewertet wurde. Daraus geht hervor, dass die Terrorgruppe weitere Anschläge plant. Vor allem aber wird klar, dass hier eine neue Generation von Gewalttätern die Mainstream-Linksradikalen des Landes erheblich verärgert. Und der Ärger ist gegenseitig. Die Terrorgruppe klagt, dass sie von sogenannten Kämpfern des linken extremen Spektrums kritisiert und angefeindet werde, die Kritiker seien aber in Wirklichkeit Defätisten und Helfershelfer des „Staates“. Nur eine Gruppe sei in der Geschichte des „bewaffneten Kampfes“ in Griechenland ähnlich angefeindet worden: der „17. November“.

Und da schließt sich der Kreis, sehr zur Sorge der Ermittler. Es scheint, dass hier eine neue Generation von Terroristen und Altvordere wie der geflohene Xiros den Schulterschluss suchen.