Prozess

Wulffs „unausgesprochene Erwartungen“

Olaf Glaeseker stand bei der Organisation der Promi-Party unter erheblichem Druck

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat seine Mitarbeiter mit hohen Erwartungen an die Promi-Party „Nord-Süd-Dialog“ unter Druck gesetzt. Das sagte der ehemalige Chef der Niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, am Freitag bei seiner Vernehmung im Korruptionsprozess gegen Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Das habe neben Glaeseker auch ihn selbst betroffen. Er habe „unausgesprochen gespürt, dass die Veranstaltung gelingen muss“, so Hagebölling. Für Wulff in seiner Funktion als Schirmherr der Veranstaltung sei das Gelingen von „hoher Bedeutung“ gewesen.

Er habe im Sommer 2007 erstmals vom damaligen Ministerpräsidenten Wulff erfahren, dass es die gemeinsame Veranstaltung mit dem Land Baden-Württemberg geben sollte.

Wegen Wulffs Erwartungen habe er sich auch selbst bei Bedarf in die Organisation der Promifeiern eingeschaltet, betonte Hagebölling, der bis zum Rücktritt Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten 2012 Chef des Bundespräsidialamtes war. 2009 sei er deshalb zum Flughafen Hannover gefahren, um mit der Geschäftsführung die damals bestehenden „ernsthaften Verstimmungen“ zwischen dem Flughafen und dem im Prozess mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt zu lösen. Anlass für den Streit seien unter anderem höhere Kosten wegen einer vom Hauptsponsor VW erbetenen Terminverschiebung sowie hohe Auflagen gewesen.

„Eine finanzielle Beteiligung des Landes ist zu keinem Zeitpunkt erwogen worden.“

Am Freitagnachmittag sollte ein früherer Mitarbeiter Schmidts im Zeugenstand zu den Abläufen bei der Sponsorensuche befragt werden. Darüber hinaus wird die Verteidigung neue Beweisanträge zu Zeugenvernehmungen stellen. Glaeseker muss sich seit Dezember wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich zwischen 2007 und 2009 von Schmidt mit Urlaubsreisen und Freiflügen bestechen lassen. Im Gegenzug habe er als Staatssekretär in der Staatskanzlei bei der Sponsorensuche geholfen – Streitwert rund 12.000 Euro. Schmidt muss sich deshalb wegen Bestechung verantworten. Beide Männer streiten die Reisen nicht ab, begründen sie aber mit ihrer langjährigen Freundschaft.