Prozess

Gegenwind für Christian Wulff

Ex-Sprecher Olaf Glaeseker widerspricht seinem ehemaligen Chef

Als Christiane Wulff, 20 Jahre mit dem früheren niedersächsischen Minister- und Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) verheiratet, am vergangenen Freitag vor dem Landgericht Hannover als Zeugin aussagte, hörte der Angeklagte Olaf Glaeseker auf seinem Platz nicht nur aufmerksam zu. Der einstige Sprecher Wulffs dürfte sich auch über ihre Schilderungen gefreut haben. Denn Christiane Wulff bestätigte nicht nur seine Vision, dass er und Partyveranstalter Manfred Schmidt sehr „freundschaftlich miteinander umgegangen“ seien. Sie bestätigte auch die Aussage Glaesekers, dass ihr Ex-Mann über die Urlaube seines Sprechers bei Manfred Schmidt informiert gewesen sei. Das untermauert Glaeseker nun in einem Interview.

Glaeseker und Schmidt wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sich der Korruption schuldig gemacht zu haben. Schmidt habe die Familie Glaeseker zu diversen Urlauben ans Mittelmeer eingeladen, im Gegenzug habe Glaeseker in seiner Funktion als Regierungssprecher dafür gesorgt, dass Promipartys in Niedersachsen und Baden-Württemberg, die Schmidt veranstaltete, auch zu kommerziellen Erfolgen wurden. Beide weisen eine privat-geschäftliche Vermischung ihrer Zusammenarbeit zurück und argumentieren mit ihrer Freundschaft.

Mindestens über den ersten Aufenthalt bei Schmidt, der ihr beim Trennungsgespräch im Jahr 2006 mit Christian Wulff von Glaeseker offeriert worden war, sei ihr damaliger Mann informiert gewesen, so dessen Ex-Frau vor Gericht. Glaeseker hatte der verlassenen und mitgenommenen First Lady damals angeboten, ihn gemeinsam mit ihrer Tochter Annalena in den Urlaub zu begleiten. Um Abstand zu gewinnen. Auch bei einer zweiten Visite habe ihr Ex-Mann mindestens Kontakt mit der gemeinsamen Tochter gehabt, aus dem erkennbar sein dürfte, dass sie sich mit Glaeseker bei Schmidt aufgehalten habe, gab Christiane Wulff im Gerichtssaal zu Protokoll.

Dies nutzt Olaf Glaeseker jetzt noch einmal in einem Interview des „Spiegels“, in dem er während des laufenden Verfahrens öffentlich der Darstellung seines ehemaligen Vorgesetzten widerspricht. „Ich hätte einen Vermerk darüber schreiben sollen“, dass es ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu Schmidt gegeben hat, gegenseitige Besuche inklusive, sagte er dem Magazin. Diesen Vermerk habe er jedoch nicht angefertigt, „weil ich wusste, dass der Ministerpräsident dies wusste“.

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat vor Ermittlern bei seiner Befragung bestritten, über Glaesekers Urlaubsaufenthalte bei dessen Freund Schmidt informiert gewesen zu sein. Dem „Spiegel“ sagte Glaeseker, dass sich Wulff für Schmidts Veranstaltungsreihe Nord-Süd-Dialog sogar persönlich um Sponsoren gekümmert habe.

Olaf Glaeseker soll am Donnerstag im Korruptionsverfahren gegen Christian Wulff als Zeuge aussagen. „Ich habe ihm verziehen“, sagte er.