Einwohnerzahl

Deutschland wächst weiter

Rund 250.000 Einwohner mehr registriert. Experten fordern Anreize für Zuwanderer

Die Einwohnerzahl in Deutschland ist im dritten Jahr in Folge gestiegen. Knapp 80,8 Millionen Menschen lebten Ende 2013 nach vorläufigen Berechnungen in der Bundesrepublik. Ein Jahr zuvor waren es gut 80,5 Millionen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte, wird das Plus voraussichtlich weniger als 300.000 – etwa 250.000 – betragen und geht auf die Zuwanderung zurück. Diese fiel erneut deutlich höher aus als das Geburtendefizit, die Differenz aus Geburten und Todesfällen.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden geht davon aus, dass erstmals seit 20 Jahren gut 400.000 Menschen mehr nach Deutschland zu- als weggezogen sind. Vor 20 Jahren (1993) hatte dieser sogenannte Wanderungssaldo 462.000 betragen. Von den zugezogenen Ausländern stammten im ersten Halbjahr rund zwei Drittel aus der EU, Zahlen für das ganze Jahr gibt es noch nicht.

„Deutschland ist zum Magneten vor allem für gut qualifizierte Zuwanderer geworden“, stellt Migrationsforscherin Christine Langenfeld fest. „Wenn wir keine Wanderung hätten, würde die Bevölkerung jedes Jahr um rund 200.000 Personen schrumpfen“, sagt Arbeits- und Migrationsforscher Herbert Brücker. Franziska Woellert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ergänzt: „Die Zuwanderung nutzt der alternden Gesellschaft stark.“ Die aktuelle Debatte über die angebliche Armutszuwanderung aus Rumänien und Bulgarien ist nach Ansicht der Fachleute kontraproduktiv. Sie sind überzeugt, dass Deutschland stattdessen mehr für die Integration der meist jungen Menschen aus anderen Ländern tun muss. Die meisten Zuwanderer seien jung und bekämen in Deutschland auch Kinder, sagte Bevölkerungswissenschaftlerin Woellert. „Deutschland muss etwas tun, damit sie nicht in großer Zahl zurückgehen.“ Junge Spanier beispielsweise, die begeistert in Deutschland ihr Glück suchten, blieben zugleich mit ihrer Heimat über Reisen und moderne Kommunikationswege eng verbunden. Sie seien bereit, nach einiger Zeit zurück- oder woandershin zu gehen. Bevölkerungswissenschaftlerin Woellert verweist auf die demografische Entwicklung: 2050 kämen Hochrechnungen zufolge sechs Rentner auf zehn Menschen im erwerbsfähigen Alter – doppelt so viele wie derzeit.

Bei den Geburten gab es 2013 im Vergleich zum Vorjahr zwar ein ganz leichtes Plus, „aber keinen Babyboom“, wie der Wiesbadener Statistiker Reinhold Zahn sagte. Etwa 675.000 bis 695.000 Säuglinge kamen zur Welt. Tiefpunkt war 2011 mit rund 663.000 Geburten; 2012 gab es 674.000 Neugeborene. Die Lücke zwischen Geburten und Todesfällen schätzen die Statistiker für das vergangene Jahr auf 200.000 bis 220.000. Ähnlich groß war sie zuletzt 1975 (207.000) und größer nur 1968 (ungefähr 238.000).