Kommentar

Harter Überlebenskampf

Alexander Kohnen über den Neustart der Liberalen und die Rede von Parteichef Christian Lindner

Opposition ist Mist, hat SPD-Chef Franz Müntefering 2004 gesagt. Die FDP ist nicht mal mehr Opposition. Sondern nur außerparlamentarische Opposition. Das ist schlimmer als Mist.

Ein Beispiel: Während Angela Merkel und Sigmar Gabriel die große Koalition aushandelten, musste sich FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle bei Markus Lanz fragen lassen, ob er vor seinem Unfall getrunken habe. Antwort: „Ich hatte bei meinem Sturz 0,0 Promille!“

In diesem Überlebenskampf muss sich die FDP Mut machen. Also rief Parteichef Linder auf dem Dreikönigstreffen: „Wir sind so unabhängig, in der Sache und politisch, wie niemals zuvor in unserer Geschichte.“ Das ist so ähnlich, wie wenn der Chef einen ins Büro ruft und sagt, dass er in Zukunft ohne einen plant. Und dann sagt: Aber sehen Sie das als Chance.

Der neue FDP-Chef begann etwas staatstragend mit dem Weltkriegsjahr 1914. Abgesehen davon hielt Lindner eine ordentliche Rede, kritisierte etwa die Deutsche Bank und lobte den Mittelstand. Doch das haben seine Vorgänger beim Dreikönigstreffen auch getan. Es ist fraglich, ob er mit dieser Rhetorik die vier vermurksten schwarz-gelben Jahre vergessen machen kann, an denen er als FDP-Generalsekretär ja immerhin zwei Jahre beteiligt war. Der ehemalige FDP-Wähler ist enttäuscht. Vielleicht zu sehr, um je zurückzukommen. Das wäre nicht gut. Denn Deutschland braucht eine liberale Partei. Und sollte sie nur in der Opposition sitzen.