Ski-Unfall

Angela Merkels kurze Krankenakte

Die Kanzlerin hat sich beim Langlaufen verletzt. Doch krank war sie selten in den vergangenen Jahren

So war das nicht gedacht. Die neue Bundesregierung scheint ihre Arbeit bald mehrheitlich von Zuhause aus zu erledigen. Erst kündigten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) an, wegen ihrer Familien möglichst oft sozusagen Homeoffice machen zu wollen. Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) will zumindest an jedem Mittwochnachmittag Zeit mit seiner Tochter verbringen. Nun wird auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Weile von ihrer Wohnung aus arbeiten. Wahrscheinlich sogar im Liegen.

Drei Wochen Gehhilfe

Schuld ist ausgerechnet ihr Langlaufurlaub im Engadin. Dort ist Bundeskanzlerin Angela Merkel laut Informationen des Sprechers der Bundesregierung, Steffen Seibert, beim Langlaufen „hingefallen“. Sie werde drei Wochen eine Gehhilfe benötigen. „Wir gehen von niedriger Geschwindigkeit aus“, sagte Seibert. Es wirkte wie eine Anspielung auf den Skiunfall von Formel-1-Star Michael Schumacher. Beim Langlauf werden auch eigentlich nur niedrige Geschwindigkeiten erreicht. Zu Fragen, ob es Fremdeinwirkung gegeben habe, ob Merkel also geschubst oder sonst irgendwie zu Fall gebracht wurde, wollte der Sprecher nichts sagen.

Ihren Krankheitsbefund schilderte er hingegen genauer: Sie habe sich einen unvollständigen Bruch im linken hinteren Beckenring zugezogen. Eine sogenannte Infraktion. Merkel ging wohl zunächst von einer einfachen Prellung aus. Sie setzte den Urlaub fort und konsultierte anschließend ihre Ärzte. Die rieten ihr offensichtlich, sich zu schonen und „möglichst viel Zeit im Liegen zu verbringen“, um einen optimalen Heilungsprozess zu gewährleisten.

Sie werde also in den kommenden drei Wochen möglichst keine öffentlichen Termine wahrnehmen. Reisen, wie etwa ein Besuch in Warschau, fallen aus. Die Kabinettssitzungen werde sie hingegen leiten. „Sie ist handlungsfähig und kommunikationsfähig“, sagte Seibert. Die erste Kabinettssitzung findet bereits am kommenden Mittwoch statt. Am 22. und 23. Januar ist darüber hinaus eine Kabinettsklausur geplant. „Wir schauen“, sagte Seibert dazu. Man werde die Termine der Kanzlerin Woche für Woche bekannt geben.

Am Dienstag wollte Merkel im Kanzleramt wie alle Jahre die Sternsinger empfangen. Am Donnerstag den Bundespräsidenten beim Neujahrsempfang treffen. Diese Termine dürften zu jenen gehören, die nun gestrichen werden. „Die Kanzlerin fällt aber nicht aus, sie ist da“, sagte Seibert, um damit dem Eindruck entgegenzutreten, der Zustand Merkels würde die Bundesregierung lähmen.

Für Merkel selbst dürfte ihre Situation höchst nervig sein. Nicht nur aufgrund der Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit. Sie macht um ihre Gesundheit nämlich eigentlich kein Aufhebens. Das Jammern über dieses oder jenes Zipperlein ist ihr vollkommen fremd. Das kann sie sich erlauben, weil ihr die Gesundheit nur sehr selten den Dienst verweigert. Sie gilt als Rossnatur. Als eine, die mit wenig Schlaf auskommt, lediglich den Schlaf in ihrem eigenen Bett wenn irgend möglich einem im Hotel vorzieht.

Meniskus-OP in der Charité

Ende März 2011 hatte sich Merkel heimlich, still und tatsächlich unbemerkt in die Berliner Charité begeben und sich einer Meniskus-OP unterzogen. Der Innenmeniskus am linken Knie war eingerissen und wurde erfolgreich behandelt. Woher die Verletzung rührte, wusste die Kanzlerin nicht. Damals ließ sie sich nicht einmal auf eine Vollnarkose ein. Sie hatte sich ab der Hüfte abwärts narkotisieren lassen und konnte den 30-minütigen Eingriff am Bildschirm beobachten.

Damals ließ Merkel allerdings kaum Termine ausfallen. In ihren vollen Terminkalender packte sie auch noch einige Sitzungen für die Physiotherapie. Bald waren die Krücken wieder verschwunden. Das war in Merkels Sinn. Denn Bilder von sich, auf denen sie „nicht funktioniert“, schätzt sie überhaupt nicht. Sie weiß, dass solche Fotos bleiben, von manchen Medien immer wieder ausgegraben werden, um als Symbolbilder andere Themen zu bebildern.

Der Winterurlaub im Engadin wurde Angela Merkel aber schon einmal vergällt. Dort holte sie sich Ende 2010 eine heftige Erkältung. Tagelang wurde sie nicht gesichtet, ihr Ehemann Joachim Sauer holte Medizin aus der Dorfapotheke.