Justiz

Ungeklärte Massagefragen

Wulff-Prozess geht womöglich noch im Januar zu Ende. Es bleibt ein schaler Beigeschmack

Das Ende ist nah: Nur noch einen Kriminalbeamten will Richter Frank Rosenow im Prozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff und David Groenewold am nächsten Verhandlungstag vernehmen, dann sollen die Plädoyers verlesen werden – und der Richter wenige Tage später ein Urteil sprechen.

Am Dienstag stieg die Strafkammer des Hannoveraner Landgerichts zunächst noch einmal in das Klein-Klein der Beweisaufnahme ein und befragte den Ermittlungsführer im LKA, Johann S., der die Untersuchung gegen Wulff und Groenewold leitete und den Kontakt zur Staatsanwaltschaft hielt. Rosenow wollte von dem 49-jährigen Beamten wissen, wie die Ermittlungen abliefen, und erkundigte sich insbesondere nach den Vorwürfen, die gar nicht mehr Gegenstand der Anklage wurden. Dazu gehören etwa eine Reise nach Sylt im Jahr 2007, die Groenewold teilweise bezahlt und die Wulff bar an seinen Freund zurückerstattet haben will.

Chef-Ermittler S. sagte klar, was er von dieser Aussage hält: „Wir konnten das Gegenteil nicht beweisen“, sagte er. „Wir sind aber davon ausgegangen, dass eine solche Zahlung nicht erstattet worden ist.“ Die Fahnder nahmen im Sylter Hotel „Stadt Hamburg“ sämtliche Reservierungs- und Buchungslisten unter die Lupe – und fanden dabei auch „Vollmassagen“, die Groenewold für das Ehepaar Wulff gebucht haben sollte.

Das Personal konnte sich nicht mehr erinnern, ob sie Bettina Wulff oder ihren Mann durchgeknetet hatten, und auch Frau Wulff selbst bestritt gegenüber der Polizei, Wellness-Anwendungen erhalten zu haben. Die Rechnung im Spa-Bereich betrug allein schon 1300 Euro. Dazu kamen Aufenthalte in Promi-Restaurants wie der „Sansibar“.

Geschäftliches und Privates gerieten bei Wulff offenkundig häufiger durcheinander – etwa, wenn er sich von Groenewold am Rande der Berlinale zu einem Dinner mit dem Motto „Ein Abend unter Freunden“ einladen ließ. Richter Rosenow wollte wissen, wo denn dann die Gegenleistung Wulffs für die vielen Einladungen ermittelt worden sei, es müsse ja für die Anklage zur Vorteilsgewährung gekommen sein. Polizist H. meinte, das habe alles dazu gedient, Wulff „allgemein bei Laune zu halten“.

Ein erstes „Urteilchen“ scheint schon im Schwange zu sein: Groenewold soll wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung belangt werden. Sein Einkommen gab er gegenüber Richter Rosenow mit „null“ an, wobei er Zeigefinger und Daumen zu einer „0“ formte und hochstreckte.

Daraufhin warf der Richter eine Zahl in den Raum: Er könne sich vorstellen, dass Groenewold etwa 1000 Euro Strafe zahlen müsse. Der einkommenlose Filmproduzent nahm das jedenfalls schweigend hin. Am 9. Januar wird der Prozess fortgesetzt.