Kommentar

Wowereit muss es jetzt beweisen

Joachim Fahrun über das Comeback an der Spitze des BER-Aufsichtsratses

Nun steht er also wieder ganz oben in der Verantwortung für den Bau des neuen Hauptstadtflughafens. Klaus Wowereit darf oder muss erneut den Vorsitz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft übernehmen. Das ist aus mehreren Gründen richtig so. Es ist sein Projekt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin war die treibende Kraft, als die Privatisierung des Baus abgeblasen wurde. Er war es, der den Verzicht auf einen Baukonzern als Generalunternehmer durchsetzte und so den BER zu einem Vorhaben in Zuständigkeit des Berlin, Brandenburg und dem Bund gehörenden Staatsunternehmens machte. Zudem kennt Wowereit das Projekt gut. Da ist es folgerichtig, das Werk nun zu Ende zu bringen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Ein unvollendeter BER zum Zeitpunkt seines Abtritts wäre das Eingeständnis seines politischen Scheiterns

Natürlich hat Wowereit Fehler gemacht bei der Kontrolle des Baufortschritts. Zu stark hat er auf die falschen Angaben der früheren Geschäftsführung vertraut, alles gehe doch noch gut und der BER werde rechtzeitig fertig. Zu lange hat er an dem Schönredner Rainer Schwarz als Flughafenchef festgehalten. Er hat zugelassen, dass die Flughafengesellschaft mit einer unzureichend ausgestatteten Zwei-Mann-Spitze gleichzeitig den immensen Passagierzuwachs am alten Flughafen Tegel bewältigen und das größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands zu stemmen versuchte. Und Wowereit hat bis heute nicht dafür gesorgt, in seinem Roten Rathaus eine kompetente Truppe aufzubauen, um Planern, Ingenieuren und Bauarbeitern ernsthaft auf die Finger zu schauen.

Vor allem aber ist Wowereit der einzige, der den Job machen wollte. Die Brandenburger haben nach dem Rücktritt des Ex-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck lange gesucht. Aber sie haben niemanden für das unbezahlte Ehrenamt gefunden. Wer laut einen Experten aus der Wirtschaft fordert, muss sagen, wer das sein soll und ob eine solche Koryphäe sich auf das Abenteuer einlassen will.

Wichtig für Berlin ist, dass Wowereit nicht vor der Linken zu Kreuze kriecht. Er muss verhindern, dass der Flugbetrieb in den Abendstunden noch weiter eingeschränkt wird, wie es die Linken im Wahlkampf fordern. Das würde die Entwicklungsperspektiven des BER zu stark einschränken. Wenn der Flughafen endlich aufmacht, soll sich das Warten wenigstens gelohnt haben.