Gedenken

„Kein Zweifel, dass er ein Lächeln im Gesicht hat“

Südafrika feiert Nelson Mandelas Geist der Versöhnung. US-Präsident Barack Obama vergleicht sein Lebenswerk mit dem von Gandhi

Seine Witwe Graça Machel ist anlässlich der Trauerfeier für Nelson Mandela erstmals wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. Von der Menge im Stadion und vor den Großbildleinwänden ringsum bejubelt, erschien Machel am Dienstag zu der Zeremonie im Stadion von Soweto. Sie trug einen schwarzen Turban und einen schwarzen Mantel mit einem Sonnenmotiv auf dem Rücken. Die 68-Jährige äußerte sich bei ihrer Ankunft nicht. Mit ihr auf der Tribüne saßen mehrere weitere Familienmitglieder.

Als einer der ersten Redner während der Trauerfeier trat Mandelas politischer Weggefährte im Anti-Apartheid-Kampf, Andrew Mlangeni, ans Mikrofon. Der 87-Jährige würdigte Mandelas Weisheit und Loyalität. Madiba, wie er Mandela ehrenvoll bei seinem Clan-Namen nannte, schaue nun von oben auf sein geliebtes Südafrika, sagte er. „Es besteht gar kein Zweifel, dass er ein Lächeln im Gesicht hat, während er sein Land nun vereint sieht, ihm zu Ehren“, betonte der langjährige Mithäftling Mandelas auf der Gefängnisinsel Robben Island.

US-Präsident Barack Obama vergleicht Mandelas politischen Leistungen mit den Lebenswerken des indischen Staatsgründers Mahatma Gandhi, des großen US-Präsidenten Abraham Lincoln und des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Seine Leistungen für Freiheit und Demokratie gehörten in die Reihe dieser historischen Größen, sagte Obama während der Trauerfeier. Mandela habe die 27 Jahre im Gefängnis genutzt, um zu lernen und seine Argumente zu schärfen, um sich mit noch mehr Leidenschaft für Menschlichkeit und Freiheit einzusetzen. „Wir vermissen ihn schmerzlich“, sagte Obama.

Viele Redner beschworen auch Mandelas Bescheidenheit und Demut, sein Vermächtnis für eine harmonische und gerechte Gesellschaft. Cyril Ramaphosa, der stellvertretende Präsident von Mandelas Regierungspartei „Afrikanischer Nationalkongress“ (ANC), rief: „Lang lebe der Geist von Nelson Mandela!“

Ramaphosa nannte Mandela „den Vater unserer Demokratie“. Während der Trauerfeier regnete es in Johannesburg. Nach einem südafrikanischen Sprichwort verheiße Regen bei einer Beerdigung Gutes: Der Tote sei im Himmel willkommen. Unter den Ehrengästen waren auch der französische Präsident François Hollande, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie der kubanische Staats- und Parteichef Raúl Castro. In Deutschland flaggten Bundeskanzleramt, Bundestag und Bundesministerien halbmast. Zahlreiche Trauernde legen seit Tagen Kerzen, Bilder und Blumen vor der südafrikanischen Botschaft nieder und tragen sich in das Kondolenzbuch für den ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas ein.

Die Zeremonie in Johannesburg begann mit einem interreligiösen Gebet, an dem sich christliche, muslimische, jüdische und Hindu-Prediger beteiligten. In ihren Gebeten hoben sie Mandelas Kampf für Freiheit und seinen Willen zur Versöhnung hervor: „Möge er in Frieden ruhen.“ Mandela war in der methodistischen Kirche getauft worden.

Im FNB-Stadion hatte Mandela im Juli 2010 bei der Abschlussfeier der Fußball-WM seinen letzten großen Auftritt. Viele Menschen im Publikum trugen die Nationalfarben, Flaggen oder Mandela-T-Shirts. Vor der Zeremonie, die mit rund einer Stunde Verspätung begann, feierten sie tanzend und singend ihren Freiheitshelden Mandela.

Zu einem Gedenken versammelten sich auch ehemalige Mithäftlinge und Gefängnisaufseher vor der Insel Robben Island. Unter den rund 200 Trauergästen der Zeremonie in einem Saal am Anleger der Fähre nach Robben Island waren auch der frühere Aufseher Christo Brand und der Ex-Häftling Lionel Davis. Trotz seiner Trauer sei er zugleich erleichtert, weil Mandela „in Frieden gestorben“ sei, sagte Brand. „Dafür hat er gekämpft.“