Kommentar

Banken brauchen mehr Markt

Jörg Eigendorf über die Lehren aus der Finanzkrise und Regeln für die Geldhäuser

Das ARD-„Morgenmagazin“ setzte in Sachen Banken den Trend. Da wurden die Geldhäuser in einem Atemzug mit der organisierten Kriminalität genannt. Und sowieso: Die Skandale zeigten, dass die Banken nichts dazugelernt hätten. Mit 725 Millionen Euro kassierte die Deutsche Bank die bisherige Höchststrafe der EU-Kommission. Da kommt es gut an, wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble noch mehr Regulierung fordert. Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen konterte daraufhin verärgert, der Finanzminister habe sich „populistisch“ und „unverantwortlich“ geäußert. Was mancher als den Ausbruch eines unausgeschlafenen Mannes interpretierte. Nur: Fitschen hat recht. Selbst Aufseher fragen sich inzwischen, was Schäuble eigentlich noch regulieren will.

Über Jahrzehnte hinweg haben Banker hohe Gewinne eingestrichen. Das wäre ihnen auch vergönnt. Wenn dahinter tatsächliche Wertschöpfung gestanden hätte und nicht eines Tages weltweit den Steuerzahlern eine saftige Rechnung präsentiert worden wäre. Geldhäuser müssen wieder pleitegehen dürfen – und zwar so, dass nicht die Steuerzahler, sondern Aktionäre und Gläubiger die Zeche zahlen. Doch auch fünf Jahre nach der katastrophalen Insolvenz des Wall-Street-Hauses Lehman Brothers ist nicht sichergestellt, dass dieser Wunsch bei der nächsten Finanzkrise auch in Erfüllung geht.

Finanzminister Schäuble weckt mit seinem pauschalen Ruf nach mehr Regulierung die Erwartung, dass es die Aufsicht richten könnte. Diese Annahme ist von Grund auf falsch: Eine Bank ist dann erfolgreich, wenn sie ein gutes Geschäftsmodell, vernünftige Anreizstrukturen, ein ausgefeiltes Risikomanagement und einen guten Aufsichtsrat hat. All das kann keine Aufsicht übernehmen.

Nein, die Bundesregierung muss andere Prioritäten setzen. Sie sollte nicht der Illusion maximaler Kontrolle erliegen, sondern auf europäischer Ebene die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es wieder mehr Markt im Bankengeschäft gibt. Das heißt: Missmanagement wird bestraft, Manager verlieren ihren Job, Aktionäre und Gläubiger ihr Geld. Wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, dann braucht man Banken auch nicht mehr zu fürchten. Der Weg dahin ist aber noch weit. Denn die Politiker nutzen die Bankenschelte allzu gern für ihre Interessen – und verlieren sich dann im Dickicht der Details.