Gedenken

Trauerwoche für Südafrikas Held

Die Vorbereitungen für die Beisetzung Nelson Mandelas laufen. Obama, Bush und Clinton werden am Dienstag erwartet

Dieses Dorf in der tiefen Provinz Südafrikas wird bald zu einem Wallfahrtsort werden. Denn hier, in Qunu, soll in einer Woche Nelson Mandela beerdigt werden, „der größte Sohn der Nation“, wie Südafrikas Präsident Jacob Zuma den am Donnerstag im Alter von 95 Jahren Verstorbenen nannte. Schon jetzt befindet sich der kleine Ort mit seinen 220 Einwohnern in der Provinz Ostkap im Ausnahmezustand.

Der Altersruhesitz von Nelson Mandela, zu dem er nach seinem langen Krankenhausaufenthalt im Sommer so gerne zurückgekehrt wäre, ist in diesen Tagen abgesperrt. Überall im Ort sind Polizei- und Militärfahrzeuge, Krankenwagen und Baufahrzeuge. Jugendliche helfen beim Aufbau einer Tribüne für die Ehrengäste des Staatsbegräbnisses mit.

Rund 4000 Leute sollen auf der Tribüne Platz finden – derzeit ist noch unklar, ob auch prominente Staatsgäste wie US-Präsident Barack Obama oder Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande dabei sein werden. Sie haben sich wie auch die ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton zur zentralen Trauerfeier am Dienstag im FNB-Stadion in Johannesburg angekündigt.

90.000 Trauergäste erwartet

Nicht nur Prominente, auch normale Bürger können daran teilnehmen. Es werden über 90.000 Trauergäste erwartet. Da der Andrang wahrscheinlich größer sein werde als die Zahl der Plätze, werde die Feier landesweit live übertragen, kündigte das Präsidialamt in Johannesburg an.

Die Regierung hat eine Trauerwoche mit einigen Veranstaltungen ausgerufen. Als Teil der Trauer um Mandela wurde der heutige Sonntag zum landesweiten Tag der Gebete und der Reflexion erklärt. Das Parlament in Kapstadt wird in Gedenken an den Freiheitshelden am Montag zu einer Gedenkveranstaltung zusammenkommen. Eine dreitägige Trauerprozession mit den sterblichen Überresten des Nationalhelden am Mittwoch, Donnerstag und Freitag soll es den Südafrikanern ermöglichen, Abschied von ihrem früheren Präsidenten zu nehmen. Der Sarg mit Mandelas Leiche wird durch die Straßen der Hauptstadt Pretoria geleitet. Nach den Prozessionszügen soll der Leichnam des Friedensnobelpreisträgers am Regierungssitz von Pretoria aufgebahrt werden. Die Beisetzung findet dann schließlich am 15. Dezember in Qunu statt.

Sie seien sehr stolz, auf diese Weise Mandela die Ehre erweisen zu dürfen, sagen die Männer am Bau. „Wir werden Tag und Nacht schuften, aber wir freuen uns darauf“, sagte Patrick Nelani, der den Tribünenbau beaufsichtigt. „Das ist ein historischer Moment, und es ist ein Privileg, dabei sein zu dürfen.“ Nelani betont, dass Mandela „sich immer sehr für uns Dorfbewohner interessiert hat. Wir sind seine Familie, und wir sind so stolz darauf, an seiner Beerdigung beteiligt zu sein.“ Er habe als kleiner Junge an einer Weihnachtsfeier teilgenommen, die Mandela damals für alle Kinder in Qunu organisiert habe, berichtet der Bauarbeiter Soni Athankosi. „Am meisten erinnere ich mich daran, wie sehr er uns Kinder liebte.“

Erinnerung an Mandelas Lächeln

Schon jetzt strömen viele Südafrikaner nach Qunu, um so Mandelas zu gedenken. Pfarrer Thapelo Selepi aus Kapstadt berichtet, er sei 18 Stunden nach Qunu gefahren, um Blumen vor Mandelas Haus zu legen. „Als ich hörte, dass er gestorben ist, wollte ich etwas tun.“ Er habe Blumen gekauft und sei die ganze Nacht durchgefahren. „Ich war müde, aber jedes Mal, wenn ich auf die Blumen sah, konnte ich Madiba lächeln sehen“, erzählt Selepi, der Mandela beim Clannamen nennt. Manche Bewohner des bisher eher verschlafenen Dorfes versuchen, die internationale Aufmerksamkeit um Mandelas Tod zu nutzen. Tlolile Ngcebetsha und seine Frau Monica haben einen kleinen Imbiss nicht weit von Mandelas Haus entfernt errichtet. Sie wollen Getränke und Würstchen oder Spaghetti anbieten. Ohne sie müssten Besucher für ihr Essen 40 Kilometer nach Mthatha fahren. „Davor wollen wir sie natürlich bewahren“, sagt Ngcebetsha.

Der Friedensnobelpreisträger wird im Familiengrab in Qunu beerdigt, wo schon drei der gestorbenen Kinder Mandelas – Thembekile, Makaziwe und Makgatho – liegen. Von dem Grabesort kann man über ein Aloefeld hinweg das Elternhaus Mandelas sehen. Dort wuchs er als Kind auf. Mandela schrieb in seinen Memoiren, dass die Zeit in Qunu zur glücklichsten seines Lebens gehörte. Hier hatte er inmitten sanfter Hügel mit anderen Kindern traditionelle Stockkämpfe ausgetragen und Rinder gehütet.