Sicherheit

400 Euro für eine sichere Tür

Die Zahl der Wohnungsdiebstähle steigt nicht nur in Berlin. Jetzt sollen Mieter und Hausbesitzer unterstützt werden

Vielen Einbruchsopfern bleiben die albtraumhaften Bilder noch lange im Gedächtnis. Sie leiden unter Schlafstörungen, Ohnmachtsgefühlen oder chronischer Nervosität. Jeder zehnte Geschädigte möchte Studien zufolge am liebsten sofort umziehen. Mancher muss sich sogar in psychologische Betreuung begeben. Denn die Opfer empfinden es oft als tiefes Eindringen in die Privatsphäre, wenn in ihre Wohnung eingebrochen wurde. Immer mehr Menschen sind damit konfrontiert: Wer nicht selbst Opfer eines Einbruchs war, kennt zumindest eines.

Das alltägliche Massendelikt ist ein Topthema der dreitägigen Innenministerkonferenz (IMK) von Bund und Ländern, die seit Mittwoch in Osnabrück tagt. Dort wird über einen überraschenden Vorschlag beraten: eine Abwrackprämie für Fenster und Türen. Sie gehört zu einem „Handlungskonzept“ gegen die Einbruchkriminalität, das die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention und die Koordinationsstelle „Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ ausgearbeitet haben.

Wer „alte gegen einbruchhemmende Türen“ tauscht, könnte nach den Vorstellungen der Fachleute bald finanziell belohnt werden. Mit einem Zuschuss von maximal 400 Euro pro Tür und bis zu 100 Euro pro Fenster, heißt es in dem 21-Seiten-Papier. Das Fördergeld soll beim örtlichen Bauamt beantragt werden können – eine Rechnungskopie und das Zertifikat der eingebauten Teile würden dafür ausreichen. Vorbild für dieses Angebot ist ein Nachbarland: Ein ähnliches Programm gibt es bereits in Niederösterreich und in Wien, wo der Zuschuss in der Regel nach sechs Wochen ausgezahlt wird. Vorbild in Deutschland ist die „Abwrackprämie“ für Autos, die im Jahr 2009 von vielen Bürgern genutzt wurde.

Bedenklicher Anstieg

Während viele Politiker wegen der hohen Kosten für die Staatskasse skeptisch sind, plädiert die Deutsche Polizeigewerkschaft für die Prämie. „Der Staat sollte für die Finanzierung einer Abwrackprämie für alte Fenster und Türen einspringen. Was für die Ankurbelung unserer Autoindustrie gut war, muss doch erst recht für die Sicherheit der Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld gelten“, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der Berliner Morgenpost. Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) hält hingegen nichts von dem Vorschlag der Fachleute: „Bayern wird sich an so einer Abwrackprämie jedenfalls nicht beteiligen.“

Die Abwrackprämie ist die jüngste Idee, um eine bedenkliche Entwicklung einzudämmen: Während in anderen Deliktfeldern die Kriminalität zurückgeht, verwüsten Einbrecher immer häufiger Häuser und Wohnungen auf ihrer Suche nach Beute. Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei 144.117 Fälle, das waren 8,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen gehen schon seit 2009 kontinuierlich nach oben – um insgesamt 30 Prozent in den vier Jahren bis einschließlich 2012. Und der Aufwärtstrend setzt sich auch in diesem Jahr ungebremst fort.

In Berlin gab es 2012 rund 12.300 Fälle von Einbrüchen in Privathäuser und -wohnungen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche (rund 9700 Fälle) war im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gestiegen. Die Zahl der Einfamilienhauseinbrüche (rund 2500 Fälle) sogar um 32 Prozent. Von Januar bis September 2013 zählte die Polizei 6064 Fälle von Wohnungseinbruch. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 10,6 Prozent. Bei Einfamilienhäusern waren es jedoch rund 1600 Taten, ein Plus von 2,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt ergab sich ein Rückgang um rund acht Prozent.

Mit der Festnahme von 140 Tatverdächtigen in den ersten neun Monaten hatte sich die Aufklärungsquote in Berlin beim Wohnungseinbruch von 2,9 Prozent auf 6,1 Prozent erhöht. Eine Steigerung immerhin. Aber immer noch erschreckend niedrig. Berlin hat wie alle Bundesländer spezielle Beratungsangebote der Polizei eingerichtet. Doch sie bringen bislang nicht viel.

Steuerlich abzusetzen

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Boris Pistorius aus Niedersachsen, forderte schon im Sommer Mindeststandards für den Einbruchschutz bei Neubauten. Damit will der SPD-Politiker die Hauseigentümer in die Pflicht nehmen. Volker Kauder (CDU), Unionsfraktionschef im Bundestag, plädierte dafür, Investitionen in die Sicherheit vor Einbrechern besser steuerlich absetzbar zu machen. Und im kürzlich in Berlin ausgehandelten Koalitionsvertrag heißt es schlicht: „Der Schutz vor Wohnungseinbrüchen soll verbessert werden.“ Neben der Abwrackprämie geht es auf der Innenministerkonferenz in Osnabrück deshalb auch darum, bessere steuerliche Anreize zu schaffen. Die soll man erhalten, wenn man mechanischen oder elektronischen Einbruchschutz installiert. So könnte der Paragraf 35a des Einkommensteuergesetzes erweitert werden, um auch Materialkosten absetzbar zu machen. Bisher lassen sich nur Arbeitsleistungen von Handwerkern geltend machen. Erwogen wird auch, die Obergrenze für Investitionen von 1200 Euro anzuheben.

Drittens werden zinslose Darlehen und Zuschüsse für Sicherheitsmaßnahmen angeregt, die bei der staatlichen KfW-Bankengruppe beantragt werden könnten. Solche Fördermittel würden dann in Programmen wie „CO2-Gebäudesanierung“ und „Altersgerecht umbauen“ bereitgestellt. Nötig sei dafür nur eine Bescheinigung über die fachgerechte Ausführung.