Militär

US-Regierung droht Afghanistan mit Abzug aller Truppen

Mit einer erneuten Abzugsdrohung wollen die USA Afghanistans Präsident Hamid Karsai zur schnellen Unterzeichnung des vorbereiteten Sicherheitsabkommens drängen – doch gibt sich der Staatschef weiter unbeugsam.

US-Sicherheitsberaterin Susan Rice forderte am Montag in Kabul die „schnelle“ Unterschrift Karsais, ansonsten müsse Washington alle Soldaten bis Ende 2014 abziehen. Experten vermuten, der Präsident wolle Washington zuvor weitere Zugeständnisse abtrotzen.

„Ohne eine schnelle Unterzeichnung haben die USA keine andere Wahl, als die Planung für eine Zukunft nach 2014 zu beginnen, in der keinerlei Soldaten der USA oder der Nato mehr in Afghanistan präsent sind“, sagte Rice nach Angaben des Weißen Hauses zu Karsai. Mit der Unterschrift dürfe keinesfalls – wie vom afghanischen Präsidenten beabsichtigt – bis nach den Wahlen in Afghanistan im kommenden Jahr gewartet werden. Dies sei „nicht machbar“.

Karsai reagierte nach Angaben des Weißen Hauses mit „neuen Bedingungen“ auf ihre Drohung und bekräftigte, er sei nicht zur schnellen Unterzeichnung bereit. Er forderte unter anderem, dass es keine Razzien von ausländischen Soldaten mehr in Wohngebieten geben dürfe. Außerdem pocht er auf US-Unterstützung für den Friedensprozess mit den Taliban.

Beobachter vermuten, Karsai wolle seine starke Position gegenüber Washington nutzen, um sich seinen Landsleuten als Patriot zu zeigen. Das Sicherheitsabkommen werde von den USA sehnlichst herbeigewünscht, auch weil es erstmals einer Supermacht Militärstützpunkte in Afghanistan erlaube, sagt Daud Muradian, der früher im afghanischen Außenministerium saß. Am Sonntag hatte die Loja Dschirga das Abkommen mit großer Mehrheit gebilligt. Die Stammesführer beauftragten Karsai, bis Jahresende zu unterzeichnen.