Verhandlungen

Wer wird was im schwarz-roten Kabinett?

Heute soll der Koalitionsvertrag fertig sein. Die Vergabe der Ministerposten steht als letzte Entscheidung an. Die Liste der Kandidaten ist lang

Union und SPD wollen die Namen für Ministerposten erst nach der SPD-Mitgliederbefragung über den Koalitionsvertrag festlegen. Die Spitzen verständigten sich am Dienstag darauf, vorerst auf die konkrete Besetzung der Ministerien zu verzichten. Ein Blick auf die Kandidaten:

Angela Merkel (CDU), 59

Die Kanzlerin bleibt Kanzlerin. Wenn es nach CSU-Chef Horst Seehofer geht, dann noch mindestens bis 2021. Sie habe, sagte er auf dem Parteitag in München, nun etwa die Hälfte ihrer Amtszeit hinter sich. Merkel rümpfte die Nase. Kaum eine Spekulation erscheint ihr überflüssiger als die darüber, wie lange sie eigentlich regieren will. Sie werde volle vier Jahre im Amt bleiben, betont sie seither.

Wolfgang Schäuble (CDU), 71

Die Union hat sich nachdrücklich dafür eingesetzt, dass Schäuble Finanzminister bleiben kann. Und die SPD hatte durchaus Respekt vor seinem internationalen Ruf und dem Amt als solchem. Auch wenn nur das Finanzressort die Chance bietet, Merkel machtpolitisch Paroli zu bieten. Schäuble selbst hat betont, für kein anderes Amt zur Verfügung zu stehen. Seine Partei geht davon aus, dass der neue Finanzminister auch der alte ist.

Ronald Pofalla (CDU), 54

Der Jurist wollte schon 2009 lieber ein Fachressort übernehmen, doch Merkel zog es vor, den CDU-Generalsekretär als Kanzleramtsminister an ihre Seite zu holen. Nicht immer agierte er glücklich. Vor allem in der NSA-Affäre glänzte er erst durch Abwesenheit, dann versuchte er zu beschwichtigen („Alle Vorwürfe sind vom Tisch“). Vom Tisch ist es dennoch nicht, dass Pofalla im Amt bleibt. Denn Pofallas Lieblingsposten, der des Arbeitsministers, ist ohnehin nicht frei.

Ursula von der Leyen (CDU), 55

Das ist eigentlich die spannendste Personalie des neuen Kabinetts. Die CDU-Vize hat sich Merkels Zorn häufig zugezogen, etwa durch ein Beharren auf der Frauenquote, die ihre Partei schließlich ins Programm aufnahm. Andererseits: Ohne diese Vorarbeit wäre auch diese Frage zu einer Hürde für die Koalitionsverhandlungen mit der SPD geworden. So konnte die Union ihre Vorstellungen in puncto Quote sogar stärker behaupten als die SPD. Von der Leyens bisheriges Arbeitsministerium geht an die SPD. Das Außenministerium, das sie reizen würde, wohl auch. Was bleibt? Gesundheit will sie nicht machen, darauf könnte es für die Ärztin jedoch hinauslaufen.

Thomas de Maizière (CDU), 59

Trotz der Affäre um die Aufklärungsdrohne Euro Hawk dürfte Thomas de Maizière sein Amt behalten. Alternativen hat die Union nicht viele. Er selbst genießt in der Partei immer noch hohe Wertschätzung. Zudem will die SPD nicht die Bundeswehrreform eines Unionsministers ins Werk setzen. De Maizière selbst will im Amt bleiben, auch um die Euro-Hawk-Scharte auszuwetzen.

Peter Altmaier (CDU), 55

Der Umweltminister war zuletzt vor allem Energiewendeminister. Sollten diese Zuständigkeiten nun, was als wahrscheinlich gilt, im Wirtschaftsministerium zusammengefasst werden, dann würde das Amt für Altmaier an Attraktivität verlieren. Ganz aus der Regierung ausscheiden wird er dennoch wohl nicht. Er gilt als wahrscheinlichster Ersatz für Ronald Pofalla als Kanzleramtsminister, falls sich für ihn doch ein Ressort findet.

Johanna Wanka (CDU), 62

Die Bundesbildungsministerin ist zwar erst seit Januar in Nachfolge von Annette Schavan in diesem Amt; aber sie war schon seit dem Jahr 2000 Forschungsministerin zuerst in Brandenburg, dann in Niedersachsen. Wanka hat deshalb zwar eine hohe fachliche Qualifikation vorzuweisen, doch politisch sichert ihr die lange durchgehende Zeit in Regierungen den Verbleib keinesfalls. Um Wankas Posten gab es in den Koalitionsverhandlungen allerdings kaum Spekulationen. Das macht es nicht unwahrscheinlicher, dass ihn ein anderer bekommt.

Jens Spahn (CDU), 33

Spahn hat sich als findiger Unterhändler im Bereich Gesundheit hervorgetan. Nach dem Ausscheiden von Kristina Schröder würde Spahn die Nachwuchsquote in der Union erfüllen. Außerdem ist Spahn einer, der über Schwarz-Rot hinausdenkt und Koalitionen mit den Grünen vorbereiten will.

Alexander Dobrindt (CSU), 43

Ein möglicher Nachfolger Wankas wäre Alexander Dobrindt. Es wäre aber sicher nicht Dobrindts bevorzugtes Ressort. Und auch Horst Seehofer sähe ihn wohl lieber im Amt des Verkehrsministers. X-mal lobte er zuletzt Dobrindts Managerqualitäten, und die könnte er nun bei der Durchsetzung der Pkw-Maut wieder gebrauchen.

Hans-Peter Friedrich (CSU), 56

Für einige CSU-Leute wäre nicht Friedrich, der Amtsinhaber, sondern Alexander Dobrindt der gewünschte Innenminister. Friedrich selbst schätzt seinen Posten nicht sonderlich. Doch wohin mit dem Mann? Seehofer selbst hat Friedrich als Innenminister bereits vor Monaten gesetzt, doch in den Koalitionsverhandlungen hat er ihn in dieser Rolle nicht gestützt. Friedrich könnte einer der Verlierer sein.

Peter Ramsauer (CSU), 59

Ramsauer wurde gerade wieder mit einem respektablen Ergebnis zum CSU-Vize gewählt. Bei der Wahl in Bayern fuhr er ein hervorragendes Ergebnis ein. Auf so was achtet Seehofer. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass er das Ressort wechseln muss. Das Agrar- und Verbraucherschutzministerium will die CSU wieder haben. Es ist ein Symbol, das sie braucht, um die bayerischen Bauern bei der Stange zu halten.

Marlene Mortler (CSU), 58

Sie ist keine, die sich aufdrängt. Sondern würde das Frauenproblem der CSU lösen, bei der im Moment nur Männer gehandelt werden. Die kaum bekannte Mortler wurde jedenfalls schon als mögliche Agrarministerin genannt. Die CSU-Politikerin hat Landwirtschaft studiert und stammt vom Bauernhof.

Sigmar Gabriel (SPD), 54

Der SPD-Vorsitzende, kürzlich in seinem Amt für zwei weitere Jahre bestätigt, dürfte Vizekanzler werden. Als Kabinett Merkel/Gabriel also wird die große Koalition dann offiziell bezeichnet. Der 54-jährige Niedersachse könnte Wirtschafts- und Energieminister werden. Oder Arbeitsminister. Eher unwahrscheinlich: ein Finanzminister Gabriel. Immer wieder wird in der SPD spekuliert, Gabriel verzichte auf einen Kabinettsposten und strebe an die Spitze der Fraktion. Das wäre eine echte Überraschung.

Frank-Walter Steinmeier (SPD), 57

Außenminister a. D. = Außenminister in spe? Darüber wird längst über die SPD hinaus spekuliert, und bislang hat der Fraktionsvorsitzende keine dieser Meldungen dementieren lassen. Steinmeier ist ein politischer Generalist, er könnte genauso gut Finanzminister werden. Zuweilen hieß es, am mächtigen SPD-Fraktionsvorsitz halte er fest. Aber Steinmeier hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie gern er Minister im Auswärtigen Amt war. Dort residierte er von 2005 bis 2009.

Thomas Oppermann (SPD), 59

Politische Allzweckwaffe – so wird der Fraktionsgeschäftsführer der SPD genannt. Oppermann war schon Wissenschaftsminister in Niedersachsen (unter Gabriel!). Würde sehr gern Innenminister. Justizminister könnte er ebenso gut werden; Oppermann ist Richter. Womöglich aber muss der 59-Jährige an die Spitze der SPD-Fraktion. Ein Problem wäre damit gebannt: dass neben Gabriel und Steinmeier ein dritter Mann aus Niedersachsen SPD-Minister würde.

Andrea Nahles (SPD), 43

Eine sozialdemokratische Traditionalistin ist die Generalsekretärin. Dass die 43-jährige Rheinland-Pfälzerin gern Nachfolgerin Ursula von der Leyens als Arbeitsministerin würde, ist ein offenes Geheimnis. Sollte Parteichef Gabriel nicht zugreifen, hätte sie dafür beste Chancen. Den Posten der Entwicklungshilfeministerin soll sich Nahles verbeten haben, heißt es in der SPD. Oder wird Nahles SPD-Fraktionschefin? Einen Laden zusammenhalten, das könne Nahles, wird ihr in der Partei bescheinigt.

Manuela Schwesig (SPD), 39

Frau, jung, ostdeutsch – die stellvertretende SPD-Vorsitzende erfüllt gleich drei Proporzanforderungen. Schwesig sei als Familienministerin „gesetzt“, hieß es nach der Wahl. Die 39-jährige Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern hat das entsprechende Kapitel des Koalitionsvertrages verhandelt. Sollte die SPD nicht das Familienressort stellen, müsste Schwesig Flexibilität zeigen – oder zurückstecken.

Brigitte Zypries (SPD), 60

Die frühere Bundesjustizministerin könnte in ihr altes Ressort zurückkehren. Zypries, derzeit einfache Abgeordnete, wird in der Partei geschätzt. Sie könnte auch ihren einstigen Studienfreund Steinmeier an der Spitze der Fraktion beerben. Die Frauen in der SPD-Bundestagsfraktion – sie stellen 42 Prozent der Parlamentarier – sind so stark wie noch nie und haben Anspruch auf den Vorsitz angemeldet, sollte Steinmeier gehen.

Barbara Hendricks, (SPD), 61

Seit vielen Jahren wacht Barbara Hendricks als Schatzmeisterin über die SPD-Kasse. Gern würde die 61-Jährige Ministerin, etwa im Verteidigungsressort. Ihre Herkunft aus Nordrhein-Westfalen kann ihr dabei helfen. Der größte Landesverband der SPD wird wohl im Kabinett vertreten sein. Doch Hendricks und Gabriel kommen nicht gut miteinander aus.

Michael Groschek (SPD), 56

Der NRW-Bau- und -Verkehrsminister könnte als Statthalter Hannelore Krafts ins Berliner Kabinett einziehen. Der SPD-Mann Groschek kennt die Berliner Bühne, war Bundestagsabgeordneter. Der 56-Jährige wäre wie geschaffen für das Verkehrsressort. Doch das wird wohl an die CSU fallen.