Gesundheit

Jede zweite Klinik schreibt rote Zahlen

Koalitionäre wollen Bezahlung der Krankenhäuser an Qualität koppeln

Viele Krankenhäuser brauchen Hilfe und kämpfen mit großen wirtschaftlichen Problemen. Mehr als jedes zweite deutsche Krankenhaus hat im vergangenen Jahr Verluste gemacht, und die wirtschaftliche Lage in Hunderten von Kliniken hat sich 2012 verschlechtert. Das sind Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts, das von Kliniken und Krankenhausärzten finanziert wird.

Der Anteil der Häuser mit Verlusten ist von 31 Prozent im Vorjahr auf knapp 51 Prozent gestiegen. Unter den Kliniken hierzulande hätten nur 43 Prozent einen Überschuss erzielt, nachdem im Jahr 2011 noch mehr als die Hälfte der Häuser schwarze Zahlen geschrieben hatten. Sieben Prozent hätten ausgeglichene Zahlen. „Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Situation der deutschen Krankenhäuser im Jahr 2012 dramatisch verschlechtert“, schreiben die Autoren des „Krankenhaus Barometers“. Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Umfrage in den Kliniken.

Die Gewinne der Krankenhäuser sind offenbar auf breiter Front eingebrochen: In fast 60 Prozent der Kliniken sank demnach das Geschäftsergebnis, und nur noch 13 Prozent der Krankenhäuser schätzten in diesem Jahr ihre wirtschaftliche Lage als gut ein. Dementsprechend pessimistisch fallen die Erwartungen der Krankenhausmanager für das kommende Jahr aus: Nur 22 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung, aber 39 Prozent erwarten, dass sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechtert.

Der Trend setzt sich fort

Am wirtschaftlich stabilsten scheinen mittelgroße Krankenhäuser: Demnach erzielten mehr als die Hälfte der mittelgroßen Häuser einen Jahresüberschuss und damit weit häufiger als kleine und besonders große Krankenhäuser. Die mittelgroßen Kliniken wiesen auch am seltensten einen Jahresfehlbetrag aus, nämlich nur in 38 Prozent der Fälle. Diese Ergebnisse decken sich mit früheren Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern, in denen ebenfalls die mittelgroßen Kliniken besonders gut abschneiden. Als klein gelten Krankenhäuser mit bis zu 300 Betten, und zu den besonders großen Häusern werden Kliniken mit mehr als 600 Betten gezählt.

Schon ältere Studien zeigen den Trend. Laut dem aktuellen „Krankenhaus Rating Report“, an dem unter anderem das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung beteiligt ist, waren zuletzt 13 Prozent der Kliniken hierzulande in erhöhter und 14 Prozent in leichter Insolvenzgefahr. Laut einer Mitgliederbefragung des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands ist nur jedes zehnte Haus so rentabel, dass es seine Zukunft selbst sichern kann.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert deshalb mehr Geld für ihre Klientel: Die Länder, die für Gebäude und Ausrüstung der Kliniken zuständig sind, müssten rund sechs Milliarden Euro im Jahr investieren; tatsächlich würden aber nur 2,7 Milliarden fließen. Die Behandlungspreise, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, deckten zudem die Personal- und Sachkosten der Kliniken überhaupt nicht ab.

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung fallen in die Zeit der Verhandlungen von Union und SPD zur Gesundheitspolitik. Die potenziellen Koalitionäre wollen die Bezahlung der Kliniken stärker als bisher an die Qualität und Effizienz der Behandlung koppeln. Von Plänen ist unter anderem dort zu lesen, die gegen Misserfolge bei OPs und anderen Behandlungen gerichtet sind.