Kurzporträts

Christian Wulffs treue Freunde

Amt, Frau und Status sind weg – doch ein paar Menschen geben dem Ex-Präsidenten Rückhalt

Das Wort Freund hat Christian Wulff in den vergangenen 21 Monaten neu definieren müssen. Verloren hat er diejenigen, die im Kielwasser seiner Macht mit ihm schwammen. Jetzt, wo Amt, Frau, Haus und Status weg sind, sind auch sie verschwunden oder haben sich gar öffentlich gegen ihn gewandt. Daneben aber gibt es jene, die nun erst recht zu ihm halten. Mancher ist ganz überraschend neu hinzugekommen. Die Kurzporträts seiner wichtigsten Verbündeten:

Peter Hintze

Irgendwie hat er jetzt schon wieder so eine Bemerkung gemacht, die zumindest missverständlich ist. „Ich wünsche Christian Wulff ein faires Verfahren“, hat Peter Hintze seinem Freund in diesen Tagen mit auf den Weg in Richtung Landgericht Hannover gegeben. Ein Verfahren, „in welchem das Recht über die Stimmungsmache siegt“. Das war bestimmt ganz aufrichtig gemeint und unterstützend. Aber man kann diese Wünsche auch anders lesen.

Die momentane Stimmung ist ja, zumindest in der veröffentlichten Meinung, eher so, dass Christian Wulff nun wirklich genug Schaden genommen hat. Dass man es nun also mal gut sein lassen solle mit dieser juristischen Verfolgungsjagd, der Wulff seit Monaten ausgesetzt ist. Kann man überall nachlesen.

Dagegen sind die Staatsanwälte und Richter eher der Ansicht, dass trotz allen Leids, das Wulff im Laufe der Präsidentenaffäre zugefügt wurde, das Recht nicht gebrochen werden dürfe, sondern eben siegen müsse gegen diese Stimmung. Also Klage. Also Prozess. So gesehen hätte sich Hintzes guter Wunsch mit dem Prozessbeginn also schon erfüllt.

Aber so meint er das natürlich nicht, der Hintze, unser frisch gewählter Bundestagsvizepräsident und ehemaliger „Last Man Standing“ des Bundespräsidenten Wulff. Einer, der seinen ehemaligen Parteifreund auch dann noch verteidigt hat, als sich die meisten Christdemokraten längst abgewandt oder wenigstens in Deckung begeben hatten angesichts des taumelnden Präsidenten.

Hintze war an Wulffs Seite. Er war der Letzte, der sich im Bundespräsidialamt munitionieren ließ und dann hinausging an die Medienfront, um sich für Wulff einzusetzen. Es ist ihm bekanntermaßen nicht gelungen. Im Gegenteil, mit einem verunglückten Entlastungsangriff in der Talkshow „Günther Jauch“ hat Hintze Wulff eher noch ein Stück näher ans juristische Messer geliefert. Geschadet hat dieser Schnitzer der Freundschaft nicht. Schließlich war Hintzes Auftritt zwar nicht besonders gut gemacht, auf alle Fälle aber gut gemeint.

Heinz Rudolf Kunze

„Er ist ein Kämpfer, der kommt da raus.“ Das sagt einer über Christian Wulff, der ihn schon lange kennt und viele Höhen und Tiefen miterlebt hat. Die Freundschaft zwischen dem Musiker Heinz Rudolf Kunze („Dein ist mein ganzes Herz“) und dem Ex-Bundespräsidenten begann in einer Zeit, als dieser ein einfacher Abgeordneter war.

Die Höhen, das war zum Beispiel 2003, als Wulff Sigmar Gabriel als niedersächsischen Ministerpräsidenten ablöste. Kunze hatte sich aus dem Wahlkampf herausgehalten, weil er auch zu Gabriel ein gutes Verhältnis hatte. Aber er schrieb dem Freund nach der Wahl einen Brief, um zu gratulieren. Wulff chauffierte Kunzes Eltern umgekehrt persönlich zum Konzert des Sohnes. 2007 verlieh der damalige Ministerpräsident Wulff dem zwei Jahre älteren Kunze den niedersächsischen Staatspreis. Ein Jahr später musste das einstige SPD-Mitglied Kunze aus dem linken Milieu harsche Kritik einstecken, weil er an einer Plakataktion zur Wiederwahl Wulffs teilgenommen hatte.

Er trotzte den Kritikern mit einer öffentlichen Erklärung. „Ich habe dies sehr gern getan“, schrieb er. „Zum einen, weil ich Christian als Mensch sehr schätze, zum anderen, das räume ich gerne ein, weil ich auch an seiner Politik für unser Bundesland nichts auszusetzen habe.“ Wulff sei ein „Freund“.

Auch als Wulff fiel, war Kunze da. Als der Freund sich in seiner Trauer vergrub, abmagerte, da sorgte der Sänger dafür, dass er unter Leute kam. Zum Prozessbeginn ging Kunze in die Offensive. „Systematisch zerrüttet und zerstört“ habe man Wulff, sagte der Musiker dem Südwestrundfunk. Dabei habe sich dieser „nichts zuschulden kommen lassen“: „Und wissen Sie was? Hätte er sich etwas zuschulden kommen lassen, wäre er trotzdem mein Freund.“

Carsten Maschmeyer

Vielleicht erkennt man daran den echten Freund: dass einer in schwierigen Momenten Ruhe bewahrt und die richtigen Ratschläge erteilt, statt sich aufzuplustern und um sich zu hauen. Man tendiert ja zu solchen Unüberlegtheiten, wenn man einen Menschen, den man mag, zu Unrecht beschädigt sieht. In solchen Momenten schadet man dann womöglich mehr, als man nutzt.

Carsten Maschmeyer, der auch schon viel Prügel bezogen hat in der Öffentlichkeit, ist im Verlauf der Präsidentenaffäre ruhig geblieben. Er hat dem Ehepaar Wulff gelegentlich gute Ratschläge gegeben. Aber er hat das nicht an die große Glocke gehängt, was manche vielleicht erwartet hätten von dem ehemaligen Versicherungschef.

Insofern ist es fast schon tragisch, dass es Maschmeyer gewesen ist, der mit seiner Einladung zum Mallorca-Urlaub einer derjenigen war, die die Präsidentenaffäre ins Rollen brachte. Man kann darüber meckern, es kleinkariert und neidbesessen finden. Aber es kommt einfach nicht gut an, wenn ein gerade gewählter Bundespräsident quasi als erste Amtshandlung in das Luxusurlaubsdomizil eines befreundeten Unternehmers fliegt. Das wäre in Frankreich womöglich kein Problem, aber hier, bei uns? Wulff wusste das alles. Und vielleicht ahnte es auch der Freund, der Wulff eben nicht einlud, sondern bezahlen ließ. Bei anderen hätte er darauf womöglich verzichtet. Aber darüber schweigt Maschmeyer weiter beharrlich. Und auch das macht ja einen Freund aus: Schweigen zu können.

Diether Dehm

Er ist nicht nur neu in Wulffs überschaubarem Freundeskreis, sondern auch der Ungewöhnlichste unter denen, die dem Ex-Präsidenten jetzt zur Seite stehen: der Linke-Bundestagsabgeordnete und Liedermacher Diether Dehm („1001 Nacht“). Politisch kennen sich beide schon lange, doch die Sympathien hielten sich in Grenzen. Diether Dehm war viele Jahre angriffslustiger Landeschef der niedersächsischen Linken. Privat hat er Wulff vor einem Jahr das erste Mal getroffen. Heinz Rudolf Kunze hatte ein Essen zu dritt arrangiert. Der im Prozessieren erfahrene Dehm, der auch eigene Genossen verklagt, gab Wulff Tipps.

Seit jenem Abend treffen sich beide gelegentlich, tauschen sich regelmäßig per SMS aus. Im Juli reiste Wulff mit Dehm, Musikern und Literaten 14 Tage an den Lago Maggiore. Dort hat Dehm ein Ferienhaus. „Wir hatten wunderbare Streitgespräche – er wertkonservativ, ich Marxist“, sagte Dehm der Berliner Morgenpost. Ihm sei „die Hetzjagd auf Christian Wulff einfach zuwider“ gewesen. Dehm ist überzeugt, dass Wulff freigesprochen wird. „Der Ministerpräsident soll sich für den Film über den Siemens-Manager John Rabe, der Tausende Chinesen rettete, eingesetzt haben, weil er bestochen wurde? Mit einem Hotelzimmer, das ansonsten sowieso die Staatskanzlei gezahlt hätte? Ein grotesker Vorwurf!“