Bericht

Lage im Osten so gut wie noch nie seit der Wende

Regierung: Abwanderung nach Westen ist gestoppt

Von den so viel zitierten „blühenden Landschaften“ ist Ostdeutschland zwar noch weit entfernt. Aber der Aufbau Ost schreitet voran, zumindest nach Meinung der amtierenden Bundesregierung: Sie beurteilt die Lage in Ostdeutschland so gut wie noch nie seit der Wende. So sei nach mehr als 20 Jahren Aderlass die Abwanderung aus dem Osten weitgehend gestoppt. Das geht aus dem aktuellen „Bericht zum Stand der Deutschen Einheit“ der Bundesregierung hervor.

Erstmals seit der Wiedervereinigung zogen 2012 ungefähr so viele Menschen von Ost- nach Westdeutschland wie umgekehrt. „Der Saldo der Binnenwanderung zwischen Ost- und Westdeutschland war 2012 erstmals seit der Wiedervereinigung nahezu ausgeglichen“, heißt es in dem Bericht, aus dem die „Bild am Sonntag“ zitiert und der am Mittwoch im Bundeskabinett von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vorgelegt wird. Die verbesserte Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt und die insgesamt gute wirtschaftliche Situation hätten zu einer Trendwende beigetragen, heißt es.

Die Gesamtbilanz der Bundesregierung fällt wie schon im Vorjahresbericht positiv aus: „Fast eine Generation nach der Wiedervereinigung haben sich die ökonomischen Lebensverhältnisse in den ost- und westdeutschen Bundesländern, insbesondere der materielle Wohlstand, deutlich verbessert“, heißt es in dem Bericht. In den vergangenen Jahren sei „aus der einstigen Planwirtschaft eine wissensbasierte Industrieregion mit zunehmend wettbewerbsfähigen Unternehmen geworden“. Die Bundesregierung zählt zahlreiche Positivbeispiele auf. Der Anteil der Industrie an der gesamten Wirtschaftsleistung sei stark gestiegen und liege über dem EU-Durchschnitt, weit vor Frankreich und Großbritannien.

Gute Betreuung für Kinder

Zu den positiven Standortfaktoren in den ostdeutschen Ländern zählt die Bundesregierung das gut ausgebaute Kinderbetreuungsangebot und eine gute Schulinfrastruktur. Diese seien mitentscheidend für die Gewinnung von Fachkräften. In dem Bericht ist auch von einer „beeindruckenden Re-Industrialisierung Ostdeutschlands“ die Rede. Die Arbeitslosenquote lag 2012 bei 10,7 Prozent – und damit auf dem niedrigsten Stand seit 1991. 2005 waren es noch acht Prozentpunkte mehr. Die jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen allerdings auch: Die Arbeitslosenquote liegt in den ostdeutschen Bundesländern weiterhin deutlich über dem westdeutschen Durchschnitt: 9,5 Prozent aller Ostdeutschen waren im Oktober dieses Jahres arbeitslos. Im Westen war die Quote dagegen mit 5,8 Prozent fast nur halb so hoch