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Zeitung entschuldigt sich nach 150 Jahren für Kritik an Lincoln

Eine US-Zeitung hat in einem ungewöhnliche Schritt einen Leitartikel zur Rede des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln zurückgezogen – aber erst 150 Jahre nach der Veröffentlichung.

Anstatt die Ansprache als „blöd“ und „dummes Geschwätz“ abzutun, hätte sie ihre Größe anerkennen sollen, schrieb die „Patriot-News of Harrisburg“ am Donnerstag.

Die Redaktion der Zeitung könne sich die krasse journalistische Fehleinschätzung von damals nur so erklären, dass sie aus „dem Einfluss der Parteilichkeit oder durch starken Alkoholkonsum“ des Reporters herrührte, heißt es in der Entschuldigung, die sprachlich eng an die Lincoln-Rede angelegt ist. „Die Vorfahren dieser Medieninstitution haben ihrer Leserschaft ein Urteil so fehlerhafter Natur präsentiert, so getüncht mit Anmaßung, mit solch einem Mangel an historischer Perspektive, dass es nicht unangetastet in unseren Archiven liegen kann.“

Damit nahm die Zeitung auf einen Leitartikel ihres Vorgängerblatts „The Harrisburg Patriot & Union“ Bezug, das in der Ära des Amerikanischen Bürgerkriegs erschien und gegen Lincoln Stimmung machte. Über die berühmte Rede zur Einweihung des Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld von Gettysburg, die als Meilenstein amerikanischer Redekunst gilt, schrieb die Zeitung damals: Sie komme „blöden Bemerkungen“ gleich, die besser in einen „Schleier des Vergessens“ gehüllt werden sollten. Der „Patriot-News of Harrisburg“ tue der Fehler leid, die „folgenschwere Wichtigkeit und zeitlose Eloquenz“ der Ansprache nicht erkannt zu haben. Am kommenden Dienstag jährt sich die Rede zum 150. Mal. Dazu gibt es in Gettysburg eine Jubiläumsveranstaltung.