Drogen

Kokain im Blut

Staatsanwaltschaft ermittelt nach schwerem Unfall gegen EU-Vize Alvaro

Es wird immer einsamer um Alexander Alvaro (38). In Brüssel ist niemand mehr bereit, den FDP-Politiker aus Düsseldorf gegen den schwelenden Vorwurf der Kölner Staatsanwaltschaft zu verteidigen, dass er bei seinem schweren Verkehrsunfall im Februar mit einem Toten unter Drogeneinfluss gestanden hat. „Der Mann ist schnell hochgekommen und jetzt ganz tief gefallen. Er kann einem fast leidtun“, hieß es aus hohen EU-Kreisen. Im politischen Brüssel erwarten nun viele, dass Alvaro demnächst von seinem Amt als Vizepräsident des EU-Parlaments und auch als Vizechef des Haushaltsausschusses zurücktreten wird.

Offizielle Stellungnahmen waren indes nicht zu erhalten. Es wird erwartet, dass EU-Parlamentschef Martin Schulz (SPD) Alvaro in Kürze zum Gespräch einbestellen wird. Schon heute soll es ein Gespräch zwischen Alvaro und dem Fraktionschef der Liberalen im Europäischen Parlament, Guy Verhofstadt, geben. Der CDU-Rechtspolitiker Klaus-Heiner Lehne sagte: „Für mich gilt die Unschuldsvermutung. Aber wenn die Ermittlungen die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft erhärten, dann wäre das schon gravierend.“

Zweites Gutachten steht noch aus

Alvaro war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, er schottet sich rigoros ab. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass die Untersuchung Alvaros nach seinem Unfall unzweifelhaft Rückschlüsse auf Kokain in seinem Blut ergeben habe.

Der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagte lediglich, der Politiker habe bei seinem Unfall auf der A 1 zwischen Burscheid und Leverkusen unter Drogeneinfluss gestanden. „Ob aber die Menge strafrechtlich von Relevanz ist, ist Gegenstand der Untersuchungen“, so Bremer. Nun soll ein zweites Gutachten klären, wie hoch die Konzentration der Droge im Blut war.

Dabei geht es vor allem um die juristische Frage, welche Schuld Alvaro an dem schweren Autounfall und am Tod eines 21-jährigen Fahrers trägt. War die Kokainkonzentration in seinem Blut hoch genug, um seine Fahrtüchtigkeit zu beeinflussen? Sollte dies nicht der Fall sein, wäre Alvaro in diesem Punkt entlastet. Alvaro erklärte kürzlich: „Ich bin weder unter Alkohol- noch unter Drogeneinfluss gefahren.“ In Brüssel hieß es vielerorts, diese Aussage „lasse Spielraum für Interpretationen“.

Möglicherweise seien die Drogen am Vortag oder noch früher genommen worden und noch nicht ganz abgebaut gewesen. Eine Sprecherin des EU-Parlaments sagte: „Uns ist kein Fall bekannt, in dem ein Abgeordneter wegen Drogenkonsums zurücktreten musste.“ Ob der Fall zu einer Hängepartie für Alvaro wird, entscheidet er letztlich selbst. Er kann warten, bis die Ergebnisse eines zweiten Gutachtens vorliegen – oder sein Schweigen brechen und im besten Fall beweisen, dass er unschuldig ist.