Organhandel

Syrische Flüchtlinge im Libanon verkaufen aus Not ihre Organe

Wie schlimm die humanitäre Lage der syrischen Flüchtlinge im Libanon wirklich ist, zeigt der illegale Organhandel.

Laut einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ verkaufen immer mehr Flüchtlinge eine Niere oder andere Körperteile, um ihre Armut etwas zu lindern. Derzeit erhält ein Spender angeblich 7000 Dollar (5237 Euro) für eine Niere. Dabei handelt es sich offenbar nicht um Ausnahmen. Dem Bericht zufolge soll es einen regelrechten Andrang von Verkaufswilligen geben.

Dies habe bereits ein Sinken der Schwarzmarktpreise für Nieren nach sich gezogen. Die meisten Kunden, die zwischen 12.000 und 15.000 Dollar für eine Niere zahlen sollen, seien Ausländer aus den Golfstaaten. Unter den Kunden sollen aber auch Käufer aus den USA und Europa sein. Die Mittelsmänner streichen davon rund 600 bis 700 Dollar Provision für jedes vermittelte Organ ein.

Der Libanon bietet ideale Bedingungen für den internationalen Organhandel. Mehr als 800.000 syrische Flüchtlinge, von denen viele unter akuter Geldnot leiden, treffen hier auf zum Teil sehr reiche Kunden. Vor allem aber müssen die Organhändler keine staatlichen Kontrollen fürchten. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das „genau die Kombination, die Organhandel blühen lässt“. Die Entnahme der Organe erfolgt offenbar in Untergrundkliniken. Organhandel-Experten gehen davon aus, dass weltweit etwa 5000 bis 10.000 illegale Nierenverpflanzungen pro Jahr vorgenommen werden.

Der syrische Bürgerkrieg hatte nach der Niederschlagung von Protesten gegen Staatschef Baschar al-Assad im März 2011 begonnen. Schätzungen zufolge wurden bislang mehr als 120.000 Menschen in dem Konflikt getötet. Millionen Syrer befinden sich zudem im In- und Ausland auf der Flucht. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.