Justiz

Mursi klagt das Militär an

Ägyptens Ex-Präsident verkündet zum Prozessauftakt eine Botschaft

Er kam doch. „Ich bin der legitime Präsident Ägyptens, und sie sind ein Teil des Putsches gegen mich“, schleuderte er den Richtern ins Gesicht. Im Anzug und nicht in der üblichen Häftlingskleidung erschien am Montag ein aufgeräumt und gefasst wirkender Mohammed Mursi vor Gericht. Nur der Bart schien weißer geworden zu sein. Seit seinem Sturz Anfang Juli war er in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen worden.

Eine halbe Stunde lang wurde darüber gestritten, ob Mursi im Anzug verbleiben dürfe, während die anderen Angeklagten in dem für ägyptische Gerichtsverhandlungen üblichen Käfig lange weiße Gewänder trugen. Äußerlichkeiten sind am Nil wichtig und werden leicht zur Symbolik. So auch beim ersten Prozesstag. Chaotische Szenen spielten sich ab. Anwesende im Saal stiegen auf die Bänke, winkten mit Schuhen, ein Zeichen der Verachtung, und schrien sich an. Als der Tumult immer heftiger wurde und der Lärm unerträglich, unterbrach der Richter die Sitzung zwei Mal und vertagte das Verfahren schließlich auf Anfang Januar nächsten Jahres.

Bis zum Schluss war unklar gewesen, ob der Hauptangeklagte überhaupt vor Gericht erscheinen würde. Stets lehnte Mursi das Verfahren als illegal ab, er wollte keinen Verteidiger akzeptieren. Sein Entschluss, das Forum und das enorme internationale Interesse an dem Prozess dann doch für seine Botschaft zu nutzen, brachte die Verantwortlichen in erhebliche Bedrängnis. In buchstäblich letzter Minute wurde am Tag vor dem Prozessauftakt alles auf den Kopf gestellt und das Verfahren kurzerhand in die Polizeiakademie außerhalb von Kairo verlegt, wo auch Mursis Vorgänger Husni Mubarak vor Gericht steht. 20.000 Soldaten wurden zusätzlich bereitgestellt, um die Sicherheit zu garantieren, die Anzahl der Akkreditierungen für Medien, Prozessbeobachter und Verteidiger reduziert, Fernsehbilder untersagt. Wie schon Mubarak wurde auch Mursi mit einem Hubschrauber zum Gerichtsgebäude geflogen.

Ursprünglich sollten dem gestürzten Präsidenten und weiteren 14 Muslimbrüdern unweit des Tora-Gefängnisses im Stadtteil Maadi der Prozess gemacht werden, wo Mursis Mitangeklagte in Untersuchungshaft sitzen. Über seinen Aufenthaltsort herrscht weiterhin strikte Geheimhaltung. Beobachter gehen aber davon aus, dass auch Mursi in Maadi festgehalten wird. Doch es ist ein Wohnbezirk, in dem viele Ausländer und reiche Ägypter leben. Der Aufruf von Mursi-Anhängern zum Massenprotest gegen den Prozess dürfte die Sicherheitskräfte aufgeschreckt haben.

Verwüstung vermeiden

Eine Verwüstung Maadis sollte unter allen Umständen vermieden werden. Die Polizeiakademie im neu entstandenen Bezirk al-Tagammu al-Khamis in der Nähe des Flughafens erschien deshalb als geeigneter. Sie ist leichter zu kontrollieren – das Gelände vor dem Gebäude ist weitläufig, die Zufahrtsstraßen sind übersichtlich. So kamen die meisten Pro-Mursi-Demonstranten auch erst dort an, als alles schon vorbei war.