Politisches Asyl

Deutschland will mehr afghanische Helfer aufnehmen

Deutschland will deutlich mehr afghanische Helfer aufnehmen als ursprünglich geplant. Die Bundesregierung habe 182 Afghanen, die vor Ort bedroht seien, Aufnahmezusagen erteilt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Dienstag in Berlin.

Es sei noch unklar, wie viele das Angebot annähmen. Sie sollen Frauen und Kinder mitbringen, auf Dauer in Deutschland bleiben und auch sofort in der Bundesrepublik arbeiten dürfen. „Wir haben vor, diese Menschen nach Deutschland zu holen“, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. „Ich glaube, das ist nur fair, und das ist nur anständig.“ Deshalb sei das Verfahren auch entbürokratisiert worden.

Viele ehemalige Helfer der Bundeswehr, der deutschen Polizeiausbilder oder des Auswärtigen Amtes fürchten mit dem Abzug der deutschen Truppen aus Kundus die Rache der radikal-islamischen Taliban und haben die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Ursprünglich sollten nur Helfer aufgenommen werden, die direkt bedroht sind. Bis Mitte September hatte die Bundesregierung nur 13 Afghanen Aufnahme zugesichert. Nun wurde der Kreis nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch um Helfer erweitert, die nur latent bedroht sind.

1200 einheimische Mitarbeiter

„Die erteilten Aufnahmezusagen zeigen, dass die Bundesregierung ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den für deutsche Stellen tätigen afghanischen Mitarbeitern umfassend Rechnung trägt“, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. Allein die Bundeswehr hatte in Afghanistan zuletzt etwa 1200 einheimische Mitarbeiter beschäftigt, weitere 180 Afghanen stehen in den Diensten des Auswärtigen Amtes und der Polizei. Unter ihnen sind Dolmetscher, Reinigungskräfte, Arbeiter, Küchenpersonal und Wachleute. Dolmetscher, die eng mit den Soldaten zusammenarbeiten und sie auch auf Patrouillen begleiten, gelten als gefährdet. Viele von ihnen berichten über Drohbriefe und Warnungen der Taliban, die die Mitarbeit bei der Isaf-Truppe als Verrat betrachten.