Kirche

Papst prangert Geldgier an

Franziskus empfängt umstrittenen Bischof Tebartz-van Elst. Rückkehr nach Limburg „schwierig“

Schicksalsstunden in Rom: Papst Franziskus hat den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu einer mit Spannung erwarteten Audienz empfangen. Tebartz-van Elst sei dankbar für die „sehr ermutigende Begegnung“ mit dem Papst, sagte sein Sprecher nach dem Treffen. Über die Inhalte des gut 20-minütigen Gesprächs sei Stillschweigen vereinbart worden.

Auch der Vatikan machte keine Angaben zum Verlauf der Privataudienz. Tebartz-van Elst hatte gut eine Woche in Rom auf das Treffen mit dem Papst zur Situation in Limburg gewartet. Offen blieb vorerst eine Entscheidung über die Zukunft des Bischofs, denn Fälle von Amtsverzicht oder Ernennungen führte das Vatikan-Bulletin am Montag nicht auf. Der 53-jährige Bischof steht wegen der Kostenexplosion beim Um- und Neubau seines Bischofssitzes unter Druck. Statt ursprünglich 5,5 Millionen Euro werden die Kosten inzwischen auf mehr als 31 Millionen beziffert. Noch nicht entschieden ist, ob die Staatsanwaltschaft Limburg ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue einleiten wird.

Zudem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg Strafbefehl gegen den Geistlichen beantragt, weil er zu einem First-Class-Upgrade bei einem Flug nach Indien eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte. Neben Verschwendungssucht wird ihm auch ein autoritärer Führungsstil vorgehalten.

Am Morgen hatte Papst Franziskus zu einem bescheidenen Lebensstil aufgerufen und zum wiederholten Mal Habsucht und Geldgier angeprangert. Eine solche Haltung zerstöre Menschen und Familien, sagte der Papst bei seiner Messe im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Den „Weg Gottes“ kennzeichneten hingegen Armut und Bescheidenheit. Ihn zu gehen bedeute, „sich zu bücken, um zu dienen“, so Franziskus. Zugleich hob er hervor, dass Armut kein Selbstzweck sein dürfe. Sie müsse vielmehr zeigen, dass Gott der „wahre Herr“ sei und „kein goldener Gott“.

Unmittelbar vor dem Treffen zwischen Franziskus und Tebartz-van Elst fand sich der Kölner Kardinal Joachim Meisner zur Papstaudienz ein. Dieses Treffen in Rom war bereits vor Monaten vereinbart worden. Meisner (79) galt bisher als Unterstützer des angeschlagenen Bischofs und hatte ihn vor Kritik in Schutz genommen. Meisner ist Chef der rheinischen Kirchenprovinz, zu der das Bistum Limburg gehört. Trotz dieser Position hat der Kardinal allerdings formal keinen Einfluss auf Entscheidungen über die Zukunft des Bischofs.

Zollitsch hofft auf rasche Lösung

Um über Baukosten und Entscheidungswege in Limburg Klarheit zu bekommen, haben die katholischen deutschen Bischöfe eine Untersuchungskommission eingesetzt. Wann deren Bericht vorliegt, ist unklar. Im Vatikan wird erwartet, dass Franziskus vor einem formellen Absetzungsverfahren den Bericht dieser Kommission abwartet. Als möglich gilt auch eine Versetzung des Bischofs.

„Eine Rückkehr in das Bistum Limburg wird sicher ganz schwierig“, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode nach der Audienz in Rom wartenden Journalisten. „Es ist natürlich inzwischen die ganze Situation so verfahren, dass etwas geschehen muss.“ Es gebe „bis in den Grund“ wieder eine Vertrauenskrise, sagte Bode. Er sehe nicht, wie der Bischof seinen Dienst dort vernünftig ausüben können sollte. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich nicht zu der Audienz in Rom äußern. Ihr Vorsitzender Robert Zollitsch hatte mit dem Papst am vergangenen Donnerstag über die Limburger Affäre gesprochen. Er hofft wegen der negativen Folgen für die Kirche auf eine baldige Lösung.

Am Sonntag hatte Albert Schmid, Chef des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg „eher unwahrscheinlich“ genannt. Schmid, ein Vertrauter von Tebartz-van Elst, nahm den Kirchenmann in der ARD-Sendung „Günter Jauch“ gegen den Vorwurf der Verschwendung beim Neubau seiner Bischofsresidenz in Schutz. Der Streit über den Bau werfe die Frage auf, ob der Bischof „Opfer der innerdiözesanen Auseinandersetzungen im Bistum Limburg“ sei. Schmid rechnet nicht mit einer schnellen Entscheidung: „Der Papst wird kein Schnellrichter sein“, sagte er.

Im Bistum Limburg gab es zunächst zurückhaltende Reaktionen. Domdekan Günther Geis erklärte, vor einer Stellungnahme wolle er abwarten, welche Nachrichten aus Rom kommen. Er verwies zudem auf ein Gespräch mit der Kirchenzeitung des Bistums. Darin hatte er vergangene Woche gesagt: „Das Vertrauen in Bischof Tebartz-van Elst ist dahin, und ich sehe nicht, wie neues Vertrauen wachsen kann.“