Justiz

Organspende-Skandal: Ermittlungen auch in Münster

Untersuchungen gegen den formal verantwortlichen Klinikleiter

Auch in Münster ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen Manipulationen bei Lebertransplantationen. Es habe sich ein Anfangsverdacht ergeben, der die Einleitung von Ermittlungen erforderlich mache, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck der in München erscheinenden „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“, Sonnabendausgabe). So haben Ärzte möglicherweise unnötige Dialysen vorgenommen – nur damit die Patienten möglichst krank erschienen. Zunächst werde gegen den Leiter der Klinik für Transplantationsmedizin in Münster ermittelt, der formal verantwortlich sei. Ob es gegen ihn oder andere Ärzte zur Anklage kommt, werde sich aber erst in einigen Monaten entscheiden, erklärte Heribert Beck laut „SZ“.

Anfang September hatte der Bericht der bei der Bundesärztekammer angesiedelten Prüfungs- und Überwachungskommission zu den 24 deutschen Lebertransplantationszentren systematische Verstöße gegen die Richtlinien auch am Universitätsklinikum Münster aufgezeigt. Zuvor war diesbezüglich schon eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Auch in Regensburg, Leipzig und München ermitteln die Staatsanwaltschaften. In Göttingen steht der ehemalige Leiter der Transplantationschirurgie derzeit vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, Gesundheitsdaten von Patienten so manipuliert zu haben, dass sie vorzeitig eine Spenderleber zugeteilt bekamen. Sie waren gewissermaßen auf dem Papier kränker gemacht worden, als sie tatsächlich waren, und so auf der Warteliste der potenziellen Empfänger nach oben gewandert. Andere Patienten sollen in der Folge verstorben sein.

Die unabhängige Prüfkommission hatte alle 24 Leberprogramme an den deutschen Transplantationszentren unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden laut Bundesärztekammer die Krankenakten von 1180 Patienten kontrolliert, die 2010 und 2011 nach dem Tod gespendete Lebern erhalten hatten. Infolge der Skandale waren die Spenderzahlen in Deutschland dramatisch eingebrochen. Dies bestätigte auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), Professor Oliver Hakenberg, am Donnerstag in Dresden auf der DGU-Jahrestagung. Nach dem Skandal um Lebertransplantationen sei die Organspende in Deutschland um fast ein Viertel eingebrochen.

Der Transplantationsskandal habe das Vertrauen in die Transplantationsmedizin insgesamt erschüttert. Das sei auch für Nierenpatienten fatal, sagte Hakenberg weiter. Auf eine Nierenspende warteten derzeit 8500Patienten, die regelmäßig zur Blutwäsche müssen. Fünf Prozent davon seien Kinder. Tausende Dialysepatienten warteten länger auf eine Niere – viele vergeblich, sie müssten sterben.