Personalien

Grüner Generationswechsel

Kerstin Andreae und auch Simone Peter drängen in die erste Reihe der Öko-Partei

Sie ist weithin unbekannt. Noch vor wenigen Wochen hatte sie niemand auf der Rechnung. Aber jetzt, im großen grünen Personalgerangel nach der verlorenen Bundestagswahl, muss Simone Peter der Partei wie ein Geschenk erscheinen. Denn die 47-jährige Saarländerin, die am Donnerstag ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz als Nachfolgerin von Claudia Roth ankündigte, passt genau ins Suchschema.

Gesucht wird für die Doppelspitze neben dem bislang als gesetzt geltenden Realo-Mann Cem Özdemir eine Frau, die wie Claudia Roth dem linken Parteiflügel zugerechnet wird. Die aber anders als Roth für eine Öko-Energiewende-Ausrichtung steht, die zudem Regierungserfahrung hat und außerdem weiß, wie man mit der Union verhandeln muss. All das trifft auf Simone Peter zu.

Die Tochter der früheren saarländischen SPD-Sozialministerin Brunhilde Peter war von 2009 bis 2012 Umweltministerin des Bundeslandes in der Jamaika-Koalition mit CDU und FDP. Simone Peter hat also Schwarz-Grün-Erfahrungen, und zwar gute: Die Grünen setzten in der Koalition vieles durch, und sowohl die CDU als auch die Grünen waren sehr zufrieden, wie fair und sachorientiert Simone Peter im Kabinett agierte.

Zudem geht es bei den Grünen um den weiblichen Realo-Posten an der Doppelspitze der Bundestagsfraktion. Da hat nach der Wahlkampf-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, 47, nun auch die bisherige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kerstin Andreae, 44, ihre Kandidatur bekannt gegeben.

Wer die Chancen der zwei Frauen, die beide dem Realo-Flügel zugerechnet werden, abschätzen will, muss sich die gegenwärtige Lage ansehen: Trittin weg, Roth weg, Künast weg. Trittins Nachfolger dürfte Anton Hofreiter werden – den kaum jemand kennt. Roths Nachfolgerin kann Simone Peter werden – die kaum jemand kennt. Und dann soll Künasts Nachfolgerin die bundesweit bisher wenig bekannte, in Berlin lebende Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae werden? Statt der oft schon im Fernsehen gesehenen Göring-Eckardt?

Das Meinungsbild in der neuen Bundestagsfraktion ist noch unübersichtlich, und klären wird sich manches erst am Freitag und Sonnabend, wenn sich die Realos treffen, die Landesvorsitzenden tagen und der Kleine Parteitag („Länderrat“) zusammenkommt. Doch nach derzeitigem Stand scheint Göring-Eckardt die besseren Chancen zu haben, obwohl sie genauso wie Trittin für den vermurksten Wahlkampf verantwortlich ist. Zudem hat Andreae trotz ihrer verbindlichen Art interne Gegner. Die Wirtschaftsexpertin zählt zu den wenigen, die es vor der Wahl wagten, die Steuererhöhungspläne infrage zu stellen. Göring-Eckardt jedenfalls scheint sich so sicher zu sein, dass sie alles auf eine Karte setzt. Sie legte am Donnerstag ihr Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) endgültig nieder. Dieses Amt könnte sie als Fraktionschefin nicht ausüben. Nun verzichtet sie, scheint also davon auszugehen, dass sie Fraktionschefin wird.