Meinungsforscher halten Einzug der AfD für möglich

Die Chefs der führenden Wahlforschungsinstitute halten einen Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag für durchaus möglich, aber keineswegs sicher.

„Als reine Anti-Euro-Partei hatte sie keine Chance“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner der „Bild am Sonntag“. „Jetzt bedient die AfD aber ein rechtspopulistisches Potenzial, das latent in Deutschland immer vorhanden ist. Das könnte ihr über die Fünf-Prozent-Hürde helfen.“

Auch Richard Hilmer von Infratest Dimap gibt der AfD Chancen für den Einzug ins Parlament: „Ein kurzfristiges Erstarken ist nicht ausgeschlossen für den Fall, dass das Thema für das die AfD steht (Euro-Krise), plötzlich an Relevanz gewinnt“, sagte er der Berliner Morgenpost.

Ähnlich äußerte sich Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner. Für ihn sind zwei bis drei Prozent der Wähler „eingefleischte Anhänger der AfD, die den Euro satthaben. Dazu kommen rund fünf Prozent Protestwähler, die mit dem politischen System unzufrieden sind und einer Partei ihre Stimme geben, die den Etablierten den meisten Ärger macht.“

Nach Ansicht von Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen lässt sich das wirkliche Stimmenpotenzial der AfD jedoch erst kurz vor der Wahl einschätzen: „Protestparteien wie die AfD legen erst am Schluss zu“, gab er zu bedenken. „Deshalb können wir erst bei unserer Umfrage nächsten Donnerstag absehen, ob die AfD tatsächlich eine realistische Chance hat.“

Güllner zufolge bereitet es den Wahlforschern außerdem Probleme, dass sich viele Protestwähler nicht zu ihrer Parteienpräferenz befragen lassen, „weil wir in deren Augen zur Manipulationsmaschine aus Politik und Medien dazugehören“. Im aktuellen Sonntagstrend von Emnid und „Bild am Sonntag“ kann die vor einem Jahr gegründete AfD in dieser Woche um einen Prozentpunkt auf vier Prozent zulegen.