Demonstration

Proteste gegen die türkische Regierung flammen wieder auf

In der Türkei haben erneut tausende Menschen gegen die Regierung Erdogan demonstriert.

Bei den Protesten in der Nacht zum Donnerstag gab es Verletzte und Festnahmen, wie der Fernsehsender CNN-Türk berichtete.

Im Istanbuler Hafenbezirk Kadıköy versammelten sich mehrere tausend Menschen, um Ahmet Atakan zu gedenken. Der 22-Jährige starb am Montagabend bei einer Solidaritätsdemonstration für die Studierenden der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara. Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, er sei von einer Tränengaspatrone getroffen worden. Nach Angaben der Behörden stürzte er dagegen von einem Dach in den Tod, von dem er Steine auf Polizisten geworfen haben soll. Die Regierung in Ankara wies eine Verantwortung der Sicherheitskräfte für den Tod des Demonstranten zurück.

Auslöser der Proteste in Ankara war der Baubeginn einer Straße, die quer durch die Waldfläche auf dem Campus der Technischen Universität führen soll. Der 3000 Hektar große Wald ist eine der größten Grünanlagen der türkischen Hauptstadt. Die Bauarbeiten wurden Ende August genehmigt. Nach Angaben der Stadtverwaltung müssten dafür höchstens 300 Bäume gefällt werden, der Rektor der Universität sprach von etwa 3.000 Bäumen. Bei den Protesten vergangenen Freitag versuchten die Aktivisten, Baufahrzeugen den Weg zu versperren. Einige umarmten Bäume, um ihre Fällung zu verhindern. Bei der Auflösung der Demonstration in Ankara ging die Polizei äußerst brutal vor und setzte Tränengas ein. Augenzeugen berichteten der „Hürriyet“, die Polizei hätte Gummigeschosse eingesetzt. An dem Protest beteiligten sich auch drei Abgeordnete der oppositionellen Republikanischen Volkspartei. Die Polizei verhaftete 14 Menschen, davon sechs Studierende.

In Istanbul wurden bei der Demonstration für den getöteten Ahmet Atakan am Donnerstag 20 Menschen verhaftet, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Auch in der Hauptstadt Ankara kam es zu Straßenprotesten. In Izmir gingen rund 2500 Menschen auf die Straße, die Menge skandierte „AKP Mörder“, eine Person wurde festgenommen. Die AKP ist die Partei des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Demonstranten machen die Regierung und die Sicherheitskräfte für den Tod eines jungen Demonstranten verantwortlich.

Die neuen Ausschreitungen erinnern an die wochenlangen Proteste gegen die Regierung im Juni. Dabei hatte es fünf Tote gegeben. Die Proteste entzündeten sich an einem von Erdogan unterstützten Bauprojekt am Istanbuler Taksim-Platz. Sie richteten sich dann gegen das gewaltsame Vorgehen der Polizei und Erdogans autoritären Führungsstil.