Fernsehduell

Kein Stift, kein Papier, keine direkte Konfrontation

Die Moderatoren hadern mit den Regeln, dem Sendungsformat und sich selbst

Es knirschte vernehmlich, schon im Vorfeld. Man ist sich untereinander nicht wirklich grün und hadert mit den Regeln. Was das Moderatorenkollektiv bereits Tage vor dem Kanzlerduell an Granteleien von sich gab, lässt auf wenig Harmonie, geschweige denn vereinte Schlagkraft schließen.

Das Gesprächsformat – vier Fragesteller in zwei Gruppen, rigides Regel- und Zeitmanagement – sorgt offenbar für wenig Vorfreude bei Peter Kloeppel (RTL), Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF) und Stefan Raab (ProSiebenSat.1). Und persönlich wurde es auch schon. „Was wir nicht wollen, ist ein buntes Larifari. Es muss ganz klar sein: Es geht hier um ernsthafte Politik“, hatte RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel in einem „Handelsblatt“-Interview unmissverständlich in Richtung Co-Moderator Stefan Raab gestichelt. „Mir persönlich gefällt das Modell mit dem engen Korsett. Damit bleibt auch das befürchtete Larifari von Herrn Kloeppel aus“, konterte Raab prompt im Vorfeld des Sendetermins am Sonntagabend – versuchte dann aber, die Schärfe mit einem angeblichen Versprecher wieder wegzuwitzeln.

Die Zündeleien von Kloeppel und Raab sind Nachhall einer Debatte, die bereits unmittelbar nach der Berufung von Raab als Co-Moderator des diesjährigen Kanzlerduells vielstimmig geführt geworden war: zu bunt, zu oberflächlich, zu unernst. Das war der Tenor quer durch Politik und Journaille im Februar 2013, als Edmund Stoiber die Idee lancierte, mit dem Spaß-und-Krach-Macher Raab „wieder mehr junge Menschen mit Politik in Verbindung zu bringen“. Stoiber hatte sich so zum wiederholten Male als eine Art Spiritus Rector des deutschen TV-Kanzlerduells aufgeschwungen. Erstmals in dieser Form fand es nämlich zur Bundestagswahl im Jahr 2002 statt, nachdem Stoiber als Kanzlerkandidat die Idee aufgebracht hatte, nach amerikanischem Vorbild eine Eins-zu-eins-Debatte zwischen Kanzler – damals eben Gerhard Schröder (SPD) – und Gegenkandidat im Fernsehen aufzuführen. Ganz am Anfang der Geschichte des deutschen TV-Duells hatte die sogenannte Elefantenrunde im Jahr 1972 gestanden. In dieser saßen die Spitzenpolitiker der Parteien im Bundestag und diskutierten „Drei Tage vor der Wahl“ – so der damals offizielle Titel.

Die Form hat sich also mehrfach gewandelt, auch wenn die Moderatorenriege versuchte, eitel Sonnenschein zu verbreiten.

In der Tat ist die TV-Arena, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer, der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, vor dem Fragesteller-Quartett bestehen sollen, engmaschig durchreguliert. Bei einer Gesamtsendungslänge von 90 Minuten soll es fünf Themenblöcke geben, mit jeweils fünf Fragen, wobei die Antwort auf die erste Frage, die „Lead“-Frage, wie es heißt, nicht länger als 90 Sekunden sein darf. Die Kandidaten dürfen keine Unterlagen mitbringen, auf den Pulten liegen nur Papier und Stift. Sie stehen nebeneinander, nicht voreinander. Direkte Konfrontation, offener Schlagabtausch ist weniger erwünscht, angestrebt wird stattdessen ein artiges Frage-Antwort-Spiel zwischen Kandidaten und Fragestellern. Über die gesamte Sendezeit hinweg darf der Unterschied der Redezeit der Kontrahenten nicht mehr als eine Minute betragen.

Nun schickt man sich ins Unvermeidliche. „Ich trete als Teamplayer mit den anderen dreien auf. Aber ich bin ein emotionaler Typ, da kann es passieren, dass mir die Pferde durchgehen“, markierte Raab seine Rolle im Quartett der Fragesteller: „Wir machen keine Sendung, um eine journalistische Elite zu bedienen.“ Fragen nach dem Gesamtlayout werden erst gar nicht beantwortet.