Regime

Ließ Kim Jong-un seine Ex-Geliebte umbringen?

Auf Befehl des Nordkorea-Diktators sollen Künstler und seine ehemalige Freundin öffentlich hingerichtet worden sein

Hyon Song-wol war eine der bekanntesten Sängerinnen Nordkoreas, ihre Lieder wie „Wir sind die Soldaten der Partei“ kennt jeder im Land. Nun berichten britische und südkoreanische Medien, Nordkoreas Diktator Kim Jong-un habe in einer Massenexekution rund ein Dutzend nordkoreanische Künstler hinrichten lassen, darunter seine Ex-Freundin Hyon, mit der er bis vor wenigen Jahren noch zusammen war. Er habe sie am 20. August erschießen lassen, weil sie gegen das Pornografiegesetz verstoßen haben soll, heißt es. Die Exekution soll öffentlich stattgefunden haben, schreibt die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“, die sich auf chinesische Quellen aus der Grenzregion zu Nordkorea beruft.

Kim soll die Sängerin Hyon vor rund zehn Jahren kennengelernt haben, nachdem er von seinem Studium in der Schweiz zurückgekehrt war. Sein Vater, Kim Jong-il, habe diese Beziehung verboten. Hyon soll daraufhin 2006 einen Soldaten der nordkoreanischen Armee geheiratet haben. Als Nordkoreas Führer Kim Jong-il im Dezember 2011 starb, hat der südkoreanische Geheimdienst offenbar erfahren, dass Kim Jong-un heimlich wieder Kontakt mit Hyon aufgenommen hat. Ri Sol-ju, die jetzige Ehefrau Kim Jong-uns, mit der er sich regelmäßig in der Öffentlichkeit zeigt, wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung auch schon mit Hyon verwechselt. Sie war einst, genau wie die Ex-Freundin Hyon, im Ensemble des Unhasu-Orchesters.

Am 17. August dieses Jahres wurden nach den Medienberichten mehrere Mitglieder dieses Orchesters sowie Musiker und Tänzer der Wangjaesan Light Music Band festgenommen. Sie sollen einander angeblich beim Sex gefilmt und die Filme dann in China verkauft haben. Diese Videos seien sichergestellt worden. Zudem sollen Bibeln im Besitz der Künstler gewesen sein – religiöse Bücher sind in dem kommunistischen Land verboten. Drei Tage nach der Festnahme sollen sie dann mit Maschinengewehren öffentlich exekutiert worden sein. Die Familien und Angehörigen der nordkoreanischen Künstler seien in Arbeitslager geschickt worden. Hyon Song-wol war eine Sängerin, die im Land sehr bekannt war. Sie trat auch mit dem Pochonbo Electronic Ensemble auf, das mit seinen Revolutions- und Propaganda-Liedern berühmt wurde. Auf YouTube finden sich noch jetzt Lieder von ihnen, die zu den bekanntesten nordkoreanischen Popsongs gehören. Noch am 8. August soll Hyon bei einem Konzert in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang gesungen haben. Ihre bekanntesten Lieder waren „Schritte der Soldaten“, „Wir sind die Soldaten der Partei“ und „Ich liebe Pjöngjang“.

Chinesische Quellen vermuten, dass Kim mit der Massenexekution auch öffentlich alle die ausschalten will, die ihm und seiner Autorität im Land gefährlich werden könnten. Berichte von nordkoreanischen Flüchtlingen in Südkorea lassen den Schluss zu, dass die Arbeits- und Straflager in Nordkorea so voll sind wie noch nie. Laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen befinden sich rund 200.000 Nordkoreaner in solchen Lagern.

Gleichzeitig bemerkt Südkorea, wie die Zahl der Flüchtlinge drastisch sinkt, wie mehrere südkoreanische Medien berichten. „Kim Jong-un hat die Zügel im Land stark angezogen“, sagte Insung Kim vom Database Center für nordkoreanische Menschenrechte. „Er will Flüchtlingen damit auch Angst machen.“ Bisher mit Erfolg. Obwohl Südkorea auf steigende Zahlen eingestellt war – im Jahr 2009 kamen noch 3000 Flüchtlinge nach Südkorea –, sind es in diesem Jahr bislang nur rund 500 gewesen.

Wie schwierig die Flucht inzwischen geworden ist, wurde deutlich, als im Mai dieses Jahres neun junge Nordkoreaner in Laos von den Behörden festgesetzt wurden. Anstatt in den sicheren Süden wurden sie aber zurück nach Pjöngjang geschickt, was in Südkorea zu diplomatischen Verwicklungen führte. Die neun Jugendlichen waren zum Teil schon mehrere Jahre in Laos und warteten auf eine Gelegenheit, in den Süden zu flüchten. Oftmals gelingt die Flucht über ein südostasiatisches Land.

Gleichzeitig aber betreibt Nordkorea eine Politik der zaghaften Annäherung. Kim ist bereit, mit Seoul über Familienzusammenführungen zu sprechen, und der Industriepark Kaesong, der im April geschlossen wurde, soll bald wieder öffnen. Beide Länder unterzeichneten ein Abkommen über ein Komitee, das den Betrieb des Gewerbekomplexes beaufsichtigen soll.

Südkoreas Medien hatten das Einlenken von Kim als „Gesichtsverlust“ interpretiert. Das kommunistische Regime ist auf Devisen aus dem Ausland angewiesen. Insofern könnte die öffentliche Hinrichtung der Künstler auch als verzweifelte Aktion Kims zur Demonstration seiner Stärke interpretiert werden.