Statistik

2012 entstanden mehr als 500.000 neue Vollzeitjobs

Der jahrelange Trend zu unsicheren Arbeitsverhältnissen scheint gestoppt

Die Angst, dass Zeitarbeit, Mini- und Teilzeitjobs die regulären Arbeitsplätze verdrängen, ist nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes unbegründet. In Deutschland sind im Jahr 2012 mehr als eine halbe Million neue reguläre Jobs entstanden. Die Zahl der „atypisch“ Beschäftigten – also jene, die bis zu 20 Wochenstunden arbeiten, befristet eingestellt oder an ein Unternehmen ausgeliehen sind – sank dagegen im Vorjahresvergleich um 146.000 auf 7,89 Millionen. Damit setze sich die Entwicklung fort, bei der sich die Zunahme atypischer Beschäftigung verlangsamt habe und jetzt sogar etwas rückläufig sei. Stärkere Rückgänge hat es nach der Wiedervereinigung nur 1992 und 2009 gegeben. In diesen Jahren sank aber auch die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt, während sie diesmal zunahm.

Der Anteil atypisch Beschäftigter an allen Erwerbstätigen ging zwischen 2011 und 2012 von 22,4 auf 21,8 Prozent zurück. Seit 1991 war der Anteil atypisch Beschäftigter von damals 12,8 Prozent gestiegen und erreichte 2007 einen Höchstwert von 22,6 Prozent. Seitdem blieb er knapp unter diesem Niveau.

Gewerkschaften und Sozialverbände beklagen seit langem die Ausweitung der „prekären“ Beschäftigung. Mit den Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder wurden die Minijobs eingeführt und die Zeitarbeit liberalisiert. Kritiker monieren, dass der Beschäftigungsanstieg nach den Reformen vor allem auf prekäre Jobs zurückgehe, sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen würden abgebaut.

Wie die Zahlen des Statischen Bundesamts zeigen, begann der Trend zur atypischen Beschäftigung aber bereits in den 90er-Jahren. Er wurde durch die Agenda-Reformen nur verstärkt. Die Zahl der Normalarbeitsplätze schrumpfte von 1991 bis 2005 um 4,8 Millionen auf 22,2 Millionen. Seitdem steigt die Zahl der regulären Jobs wieder an und erreichte im vergangenen Jahr 24,2 Millionen. Die größte Gruppe unter den atypisch Beschäftigten sind Teilzeitbeschäftigte mit bis zu 20 Wochenstunden. Ihre Zahl liegt bei rund fünf Millionen (knapp 14 Prozent). 2,7 Millionen Arbeitnehmer (7,5 Prozent) sind befristet beschäftigt, 2,5 Millionen (sieben Prozent) arbeiten als Minijobber und 745.000 (2,1 Prozent) als Zeitarbeiter. Die Statistiker zählten dabei nur Erwerbstätige zwischen 15 und 64 Jahren, ohne Schüler und Studenten.

Die CDU/CSU reklamierte den Arbeitsmarkterfolg für sich. Die Fakten der Statistiker bewiesen den Erfolgskurs der unionsgeführten Arbeitsmarktpolitik, so der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Karl Schiewerling. „Die Beschäftigung nimmt auf Rekordhöhe zu, und zwar in erster Linie mit guten Vollzeit-Jobs und mit sicheren und verlässlichen Stellen weit oberhalb der Definitionsgrenze von atypischer Beschäftigung.“

Werkverträge sind nicht erfasst

Die SPD-Arbeitsmarktpolitikerin Anette Kramme sprach dagegen von „fragwürdigen Zahlen“ des Bundesamts. Dessen Definition sei „äußerst eng“. Ein Rückgang um 0,6 Prozent sei kein Grund zum Jubeln. „Ich kann auch keinen Trend erkennen, zumal eine neue Unsitte am Arbeitsmarkt, nämlich die Werkverträge, gar nicht erfasst sind.“ Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft erklärt den Rückgang der atypischen Beschäftigung auch mit der derzeit stabilen Konjunktur. Die Firmen seien heute eher bereit, Arbeitskräfte Vollzeit und unbefristet einzustellen.

Dazu passt, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften nach Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch im August stabil bleibt. Der BA-Stellenindex lag wie im Vormonat bei 148 Punkten. Damit scheine sich der Eindruck zu bestätigen, dass der seit Anfang 2012 rückläufige Trend zu Ende geht, betonten die Arbeitsmarktstatistiker: Die zuletzt wieder positiveren wirtschaftlichen Ergebnisse trügen dazu bei, dass die Unternehmen weiter neue Mitarbeiter nachfragten. Der Stellenindex beruht auf konkreten Stellengesuchen der Unternehmen. Im August gab es laut BA nach wie vor den größten Arbeitskräftebedarf in der Zeitarbeit. Aber auch im Groß- und Einzelhandel, in der Bauinstallation, in der Gastronomie, im öffentlichen Dienst, in der Gebäudereinigung und im Gesundheits- und Sozialwesen werden zahlreiche Mitarbeiter gesucht.