DDR-Aufarbeitung

Neue Details zur Beteiligung der Stasi an West-Pharmatests

Die Staatssicherheit soll laut MDR an den Medikamententests westlicher Pharmafirmen in der DDR stärker beteiligt gewesen sein als bisher bekannt.

Die Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert, bestätigte MDR-Angaben, wonach die Stasi an allen entscheidenden Positionen mitgemischt haben soll. Das deckt sich mit Recherchen des Medizinhistorikers Rainer Erices von der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) habe danach direkt in die für die Tests zuständige Abteilung im DDR-Gesundheitsministerium, dem Beratungsbüro für Arzneimittel, gereicht.

Deren Leiter und Mitarbeiter haben laut MDR jahrelang als inoffizielle Mitarbeiter der Stasi berichtet. Außerdem habe das MfS die Kontaktaufnahme mit den Westfirmen überwacht. Deren Außendienstmitarbeiter seien teilweise aufwendig beschattet worden. So sollte auch verhindert werden, dass mit DDR-Kliniken direkt Verträge abgeschlossen wurden.

Die Recherchen hätten auch ergeben, dass die Gestaltung der Verträge und die Abrechnung der Devisen bei Außenhandelsfirmen lag, die zum Bereich Kommerzielle Koordinierung unter dem damaligen Staatssekretär und MfS-Offizier Alexander Schalck-Golodkowski gehörten, bestätigte Neubert. Darüber hinaus seien mehrere an den Studien beteiligte Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektoren beim MfS als inoffizielle Mitarbeiter registriert gewesen. In den Unterlagen der Stasi fänden sich nach Angaben von Erices auch Hinweise zu Todesfällen, berichtete der MDR. Kontakte zu den Pharmafirmen seien bereits in den 1960er-Jahren aufgenommen worden. Es gebe Unterlagen zu zahlreichen Tests vor 1983.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hatte vor einigen Wochen Verantwortliche der Medikamententests aufgefordert, zur Aufklärung beizutragen.