Krise

Mursi-Anhänger demonstrieren in Ägyptens Straßen

Mubarak kann sich wieder ohne Rollstuhl fortbewegen

Trotz der Gewalt bei den letzten Freitagsprotesten vor einer Woche sind in Ägypten wieder Hunderte islamistische Demonstranten auf die Straße gegangen, um für eine Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zu demonstrieren. Die Sicherheitskräfte riegelten in der Hauptstadt Kairo große Hauptstraßen und Plätze ab, rund um den Präsidentenpalast rollten gepanzerte Fahrzeuge auf, Soldaten verschanzten sich zum Teil hinter Barrikaden mit Stacheldraht. Bei Zusammenstößen wurde ein Mensch getötet.

Die Demonstranten marschierten vor allem durch Seitenstraßen und skandierten ihre Parolen gegen das Militär. Die vergleichsweise kleinen Proteste schienen darauf hinzudeuten, dass die harte Linie der vom Militär eingesetzten Übergangsregierung gegen die Muslimbrüder und ihre Unterstützer Wirkung zeigte und die Islamisten ihre Anhänger nicht mehr im selben Ausmaß wie zuletzt mobilisieren können. Hunderte Mursi-Anhänger waren vergangene Woche bei landesweiten Unruhen getötet worden. Dutzende führende Islamisten sind in Haft, darunter auch der Chef der Muslimbruderschaft, Mohammed Badia, der in der Nacht auf Dienstag festgenommen wurde. Am Donnerstagabend wurden noch einmal 80 Muslimbrüder in Gewahrsam genommen. In der Stadt Luxor versucht derweil ein lokales Bündnis aus verschiedenen Parteien, zwischen der Staatsmacht und den Muslimbrüdern zu vermitteln.

Neue Spannungen befürchtet

Am Freitag versicherten die Demonstranten, sie würden sich durch das harte Vorgehen der Übergangsregierung nicht einschüchtern lassen. „Ich werde so lange weiterdemonstrieren, bis unser rechtmäßiger Präsident zurück ist“, sagte der Buchhalter Mamduh Mostafa bei einer Kundgebung vor einer Moschee in Giza.

Beobachter befürchteten auch, dass die Entlassung des ehemaligen ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak aus der Haft am Donnerstag zu weiteren Spannungen beitragen könnte. Doch die Islamisten erwähnten den 85-Jährigen, der nun unter Hausarrest steht, in ihren Aufrufen zu den Protesten nur indirekt. Auf seiner Facebook-Seite erklärte der politische Arm der Muslimbruderschaft, dass die Demonstrationen vom Freitag gegen den Putsch des Militärs am 3. Juli gerichtet seien; und gegen jene, die versuchten, die Bewegung des 25. Juli, durch die Mubarak gestürzt worden war, für sich zu beanspruchen.

Die Kairoer Tageszeitung „al-Masry al-Youm“ berichtete am Freitag, Mubaraks noch inhaftierte Söhne Alaa und Gamal hätten dem Vater zu seiner Entlassung aus dem Gefängnis gratuliert. Mubarak habe daraufhin gesagt, er freue sich. Seine Freude werde aber erst nach einem Freispruch komplett sein. Das Blatt schrieb, der Ex-Präsident habe gesundheitlich einen guten Eindruck gemacht und sich ohne Rollstuhl fortbewegt. Seine Anhänger schickten ihm Blumen in sein Krankenzimmer, berichteten ägyptische Medien.