Entspannung

Atomprogramm: Iran besitzt 18.000 Zentrifugen

Neuer Präsident plant neue Taktik in der Außenpolitik

Der Iran verfügt in seinem Atomprogramm nach eigenen Angaben über 1000 moderne Zentrifugen für eine deutlich beschleunigte Urananreicherung. Das gab der scheidende Chef des Atomprogramms, Fereidun Abbassi, laut Nachrichtenagentur Isna bekannt. Insgesamt sind den Angaben zufolge 9700 Zentrifugen in Betrieb, die in den Atomanlagen Natans und Fordo Uran anreichern. Insgesamt verfügt das Land nach diesen Angaben über 18.000 Zentrifugen. Die Angaben des Ex-Atomchefs sind bisher von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien nicht bestätigt worden.

Die internationale Gemeinschaft verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung nach der Herstellung von Atomwaffen zu streben. Der Iran bestreitet dies. Der neue iranische Präsident Hassan Ruhani will außenpolitisch einen neuen Ton anschlagen. Die Iraner hätten ihn gewählt, weil sie eine Abkehr vom Konfrontationskurs seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad wollten, sagte Ruhani bei der Vereidigung des neuen Außenministers Dschawad Sarif. Allerdings schränkte er ein: „Eine Neuausrichtung der Außenpolitik bedeutet keine Änderung der Prinzipien, die Prinzipien bleiben unverändert.“

Außenpolitik solle nicht dazu benutzt werden, Parolen zu skandieren, sagte Ruhani laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Irna. Das Volk fordere „eine Veränderung bei den Methoden, bei der Darbietung und den Taktiken“, und diese müsse auch umgesetzt werden. Das bedeute vor allem die Distanzierung von der Rhetorik Ahmadinedschads, der die internationale Gemeinschaft mehrfach vor den Kopf gestoßen hatte, etwa indem er Resolutionen des UN-Sicherheitsrates als „wertlose Papiere“ bezeichnet hatte.

Die Macht des Ajatollahs

Ruhani hatte sein Amt am 4. August angetreten. Er hat versprochen, die durch Sanktionen darniederliegende Wirtschaft des Landes zu sanieren, indem er die Beziehungen zu den westlichen Staaten wiederbelebt. Wie sehr er das Auftreten seines Landes nach außen ändern kann und inwieweit er im Streit über das Atomprogramm des Landes abseits einer freundlicheren Rhetorik auch inhaltlich auf den Westen zugehen wird, ist allerdings unklar. Entscheidungen über das Atomprogramm Teherans, das der Westen als Deckmantel für die Entwicklung von Nuklearwaffen sieht, fällt letztlich der oberste geistige Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei. Er hoffe jedenfalls, dass Sarifs lange Erfahrung dem Iran helfen werde, auch die Position der USA besser zu verstehen, sagte Ruhani. Sarif war über Jahre hinweg iranischer Gesandter bei den Vereinten Nationen und hatte auch mit Ruhani zusammengearbeitet, als dieser von 2003 bis 2005 Atomunterhändler des Iran war.

Die USA und ihre Verbündeten verdächtigen den Iran, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten und dringen auf einen Stopp der Urananreicherung. Die Führung in Teheran weist dies zurück und fordert ihr Recht auf eine zivile Nutzung der Atomkraft ein. Für den Bau eines Sprengkopfes wird hochangereichertes Uran mit einem Reinheitsgrad von mehr als 90 Prozent benötigt. Dies wird mit Zentrifugen gemacht.