Wahlen

„Wenn der KT nicht so geeiert hätte“

Eine Studentin tritt im Wahlkreis des Ex-Verteidigungsministers Guttenberg für die CSU an

Jung, gut ausgebildet, sozial engagiert, heimatverbunden, nicht auf den Mund gefallen – und weiblich. Wenn sich die CSU-Strategen eine Wunschkandidatin hätten schnitzen können, wäre eine wie Emmi Zeulner herausgekommen. Die 26 Jahre alte Studentin, die in Bamberg European Economic Studies studiert und in der oberfränkischen Kleinstadt Lichtenfels kandidiert, repräsentiert eine Zielgruppe, die die CSU nur schwer erreicht. Die junge Frau ist ein Glücksfall für ihre Partei.

Vor allem weil im Wahlkreis 240 Kulmbach große Not herrschte. Zumindest aus CSU-Sicht. Bei der Bundestagswahl 2009 errang die Partei hier ihr bestes Ergebnis: 68,1 Prozent der Erststimmen fielen auf den Kandidaten, zwei Jahre später war der Wahlkreis verwaist. Dort, wo Christsoziale schon das neue Gravitationsfeld der Partei wähnten, herrschte plötzlich politische Ödnis und Ratlosigkeit. Karl-Theodor zu Guttenberg, der fränkische Lokalmatador und bundesweit angehimmelte moderne Hoffnungsträger der Konservativen, hatte wegen seines Plagiats nicht nur den Doktortitel, sondern auch das Amt des Verteidigungsministers und das Bundestagsmandat abgegeben. Parteichef Horst Seehofer, der „KT“ einst stolz als seine „Erfindung“ bezeichnet hatte, weinte dem zwischenzeitlich zum Konkurrenten emporgeschossenen Adligen wenige Tränen nach.

In Lichtenfels und Umgebung ist das noch anders. Dort ist Guttenberg noch immer beliebt. Auch wenn er sich kaum noch blicken lässt. Allerdings hätte man gern gesehen, wenn er einsichtiger gewesen wäre. „Wenn der KT nicht so geeiert hätte, wäre er noch da“, sagt Baptist Schütz, zweiter Bürgermeister von Zapfendorf.

Politisch soll es jetzt „die Emmi“ richten. Wenn ein personelles Vakuum besteht, sind auch weibliche Bewerber bei der CSU willkommen. Emmi Zeulner, deren jugendlich-schüchterner Charme leicht über ihre Zielstrebigkeit hinwegtäuscht, nutzte die Chance und kandidiert.

Die schillernde Vorgeschichte des Wahlkreises ist zwiespältig für sie: „Mir ist schon klar, dass ich ohne ihn nicht so viel Aufmerksamkeit bekäme.“ Aber die Guttenberg-Nachfolgerin weiß auch, dass jetzt die Politik im Wahlkreis ein paar Nummern kleiner erscheint. Es geht nicht mehr darum, den Nebenaußenminister zu mimen. Wenn sie Politik macht, geht es um die flächendeckende Versorgung der Dörfer mit schnellem Internet oder um die Sorgen der Anlieger an der neuen ICE-Strecke – und nicht um transatlantische Fragen wie bei Guttenberg. Das hat man gern in Oberfranken, das sich generell von den Zentralen in München und Berlin benachteiligt fühlt. „Die Emmi“ wird überall freundlich gegrüßt, wenn man mit ihr durch die Straßen des kleinen Lichtenfels geht.

Und inzwischen hat die ausgebildete Krankenschwester auch ihr Lampenfieber im Griff, wenn sie im Bierzelt spricht. Von hohen Tieren lässt sie sich nicht mehr den Schneid abkaufen. „Na, macht es noch Spaß?“, hatte sich Seehofer kürzlich väterlich nach dem Befinden erkundigt. Sie habe nur zurückgefragt: „Und selbst, macht es auch noch Spaß?“, berichtet Zeulner – nicht ohne ihren Vorsitzenden als großen Politiker zu loben.

Während der Baron aus dem Hause zu Guttenberg so gut ankam, weil er auch leutselig sein konnte, gewinnt Emmi Zeulner die Sympathien der Lichtenfelser, weil sie eine von ihnen ist. Sie ist nicht im Schloss aufgewachsen, sondern im Dorfwirtshaus „Eiserne Hand“. Da war immer etwas los. Hier wurde gekartelt, der Opa spielte Schifferklavier, die Honoratioren hatten hier ihren Stammtisch, wo natürlich kräftig politisiert wurde – und die kleine Emmi war immer mittendrin. Das prägt.