Bildung

Mädchen zeigen wenig Interesse für technische Berufe

Schüler suchen im künftigen Beruf vor allem Sicherheit

Wie wunderschön du malen kannst.“ Birgit Henrichs hasst diesen Satz. Zumindest dann, wenn er sich an ein kleines Mädchen richtet. „Das ist der Klassiker“, sagt die Berliner Museumspädagogin. Da bastele man mit einer Gruppe von Kindern bunt bemalte Windräder, und die Eltern am Rand bedienten alle Klischees: „Ihre Söhne loben sie für die tollen Baukonstruktionen, ihre Töchter, weil sie so hübsch malen.“ Birgit Henrichs ist überzeugt: Es sind diese kleinen Dinge, die den Mädchen von heute schon früh ihren Forscherdrang nehmen.

Henrichs führt Kinder und ihre Eltern durch Technikausstellungen in der Hauptstadt – seit mehr als 20 Jahren schon. Und sie hat beobachtet: „Die Eltern sind immer rückständiger geworden.“ Anders als vor 20 Jahren fehlt heute vielen für Geschlechterfragen schlicht das Bewusstsein: „Da werden die Weichen schon ganz früh falsch gestellt.“

Die Mädchen von heute jedenfalls zeigen noch immer erschreckend wenig Interesse für technische Berufe. Sie träumen von einer Ausbildung im Sozialen, in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Erziehung oder Design. Bei den Jungen dagegen stehen, getreu allen Klischees, der technisch-mechanische Bereich, stehen Bau und Handwerk, Polizei und Verteidigung sowie Informatik ganz oben auf der Wunschliste für eine Lehrstelle, wie eine repräsentative Schülerbefragung des Marktforschungsunternehmens Trendence ergab.

Eine Entwicklung muss den Arbeitgebern besonders Sorgen machen: Nie wollten weniger Schüler ein Ingenieursstudium aufnehmen als heute. Schon jetzt fehlen in Deutschland Schätzungen zufolge über 100.000 Ingenieure. Allen Werbekampagnen zum Trotz liebäugeln aber nur 7,3 Prozent der künftigen Studenten mit diesem Fach. Bei den Jungen sind es immerhin 16,3 Prozent, bei den Mädchen aber nur verschwindende 3,5 Prozent.

Von Januar bis Juni hat Trendence über 10.000 Schüler der Klassen 8 bis 13 online nach ihren Interessen und Berufsplänen befragt. Die Polizei ist danach weiterhin der mit Abstand beliebteste Arbeitgeber in Deutschland. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen, wie bereits im Vorjahr, ProSiebenSat.1, die Bundeswehr und BMW. Mehr als ein Drittel aller Schüler würde sich unter allen ihnen bekannten Arbeitgebern „am ehesten“ bei einem dieser Top vier bewerben. Im Aufschwung waren 2013 Tourismusunternehmen wie die Deutsche Lufthansa oder die Hotelkette Hilton. Einbußen gab es dagegen bei Modefirmen wie Adidas, Peek & Cloppenburg, Otto oder Hugo Boss. Auch Stellen bei Banken und Finanzdienstleistern bleiben unbeliebter als vor der Krise.

„Wir haben es mit einer Generation Wollmütze zu tun“, sagt Studienleiterin Manja Ledderhos. „Vielen jungen Leuten gehen Jobsicherheit und Kollegialität vor Eigenverantwortung und hohem Einstiegsgehalt.“ Polizei und Bundeswehr könnten beim Nachwuchs zudem mit ihrer Präsenz vor Ort punkten. Viele seien nicht bereit, für einen Job umzuziehen.