Parteien

Sommer, Sonne, SPD

Mit einem Deutschlandfest feiern die Sozialdemokraten am Brandenburger Tor ihren 150. Geburtstag

Von miesen Umfragewerten ist heute mal keine Rede, und über die Kritik von Franz Müntefering am SPD-Wahlkampf mögen sie auch nicht reden. Zum Deutschlandfest haben die Sozialdemokraten eingeladen, rund 200.000 Menschen sind am Sonnabend gekommen. Eine große Bühne ist auf der westlichen Seite des Brandenburger Tores aufgebaut, außerdem eine „Festmeile“ auf der Straße des 17. Juni. Am Nachmittag treten die Prinzen auf, am Abend soll Nena singen. Roland Kaiser steht am Sonntagvormittag auf dem Programm.

Den 150. Geburtstag der SPD, der „ältesten demokratischen Partei Europas“, begehe man, ruft SPD-Chef Sigmar Gabriel von der Bühne und freut sich über seine vielen Zuhörer. „Bei Frau Merkels Wahlkampfauftakt waren nicht einmal tausend Menschen“, ätzt Gabriel vor der begeisterten Menge. In fünf Wochen ist Bundestagswahl, und natürlich ist der Zeitpunkt der Geburtstagsparty an diesem Wochenende nicht nur dem Sommer geschuldet, sondern vor allem: dem Wahlkampf. Offiziell hatte die SPD ihr Jubiläum bereits im Mai in Leipzig gefeiert – zusammen mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

„Hallo, Berlin, schön, dass ihr alle da seid“, eröffnet SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. „Herzlich Willkommen zur Party der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Es ist ein herrlicher Blick von hier. Ich habe so etwas noch nicht gesehen.“ Steinbrück erinnert daran, dass Barack Obama als amerikanischer Präsidentschaftskandidat vor fünf Jahren am selben Ort nicht reden durfte. Den Namen Angela Merkel, die diesen Auftritt untersagt hatte, lässt er unerwähnt. Steinbrück beginnt seine Rede mit einem historischen Teil. Er verweist darauf, dass die SPD ihre runden Geburtstage 1938 und 1988 am Brandenburger Tor nicht hat feiern können – unter den Nazis war sie verboten, in der DDR wurde sie erst während der Friedlichen Revolution gegründet. So sehr Steinbrück in den vergangenen Wochen Fuß gefasst hat, so angespannt wirkt er zu Beginn seiner Rede. Ihm ist bewusst, wie viele Menschen ihm folgen – und dass viele von ihnen aus allen Teilen des Landes angereist sind. Mit Bussen kamen Tausende nach Berlin, viele von ihnen werden bis zum 22. September Wahlkampf machen. Für die SPD. Für Steinbrück. Erleichtert erscheint Steinbrück wenig später: Zum größten Jubel setzen seine Zuhörer an, als der Kandidat ruft, auf der Grundlage von Werten „bewerbe ich mich, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden“.

Laut ist der Applaus, als der Ex-Finanzminister verlangt: „Wir müssen Banken heranziehen für eine Krise, die sie maßgeblich verursacht haben.“ Zustimmend nicken die Mitglieder seines „Kompetenzteams“, das sich hinter ihm auf der Bühne versammelt hat. Während Steinbrück über ein „selbstbestimmtes Leben“ und bessere Chancen für Frauen spricht, lässt er einige wenige persönliche Bemerkungen fallen. Seine Mutter sei „selbstbewusst“ gewesen – und eine selbstbewusste Frau habe er auch geheiratet. Beifall. Am Sonntagvormittag wollen Peer und Gertrud Steinbrück gemeinsam auf dem Deutschlandfest erscheinen – und vor Kindern aus dem Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ vorlesen. „Peer, Peer“-Rufe erklingen, Fahnen werden geschwenkt.