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SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück auf Stasi-Vorgang erfasst

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR hat den Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück, nach Informationen der „Welt am Sonntag“ von 1980 bis 1989 als Vorlauf-IM erfasst.

Die Behörde gab die Karteikarte dieses IM-Vorlaufs mit dem Decknamen „Nelke“ heraus. Nach Recherchen der Zeitung existiert zu dem Vorgang auch eine Klarnamen-Kartei mit dem Namen Peer Steinbrück. Steinbrück erklärte auf Anfrage, dass er niemals mit dem MfS oder einem anderen ausländischen Geheimdienst zusammengearbeitet habe. Er kündigte an, das Material aus der Stasiunterlagen-Behörde über ihn der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen.

Als Vorlauf bezeichnete die Stasi Personen, die aus verschiedenen Gründen als werbbar galten und angesprochen werden sollten. Vorlauf-Vorgänge mussten im Falle eines Misserfolgs laut Stasi-Richtlinien nach neun Monaten geschlossen werden. Der Vorgang „Nelke“ wurde jedoch nicht nach neun Monaten archiviert, sondern war bis zur Wende offen und verzeichnet Einträge aus mehreren Jahren. Belege für eine Geheimdiensttätigkeit Steinbrücks liegen nicht vor.

Die Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen hatte dem Blatt zuvor Dokumente ausgehändigt, die den angeheirateten Cousin des Politikers aus Thüringen als IM ausweisen. Bei dem Inoffiziellen Mitarbeiter „Richard König“ handelt es sich danach um den prominenten DDR-Schauspieler Lutz Riemann, der vor allem durch die Rolle als Oberleutnant Zimmermann in der Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“ bekannt wurde. Er räumte gegenüber der „Welt am Sonntag“ seine Stasi-Tätigkeit in Thüringen ein.

Steinbrück sagte der Zeitung auf Anfrage, dass er nichts von der Stasi-Tätigkeit Riemanns gewusst habe, den er mehrfach bei privaten Verwandtenbesuchen in der DDR getroffen hat. Die Stasiunterlagen-Behörde stuft den Vorgang „Nelke“ nicht als IM-Vorgang ein.