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Steinbrück will noch 2021 Kanzler sein

Franz Münteferings Kritik relativiert der SPD-Kandidat. Er blickt nach vorn

Von Energie spricht Peer Steinbrück am Donnerstagvormittag im Willy-Brandt-Haus, über jene Energie, die aus der Steckdose kommt, und jene, welche ein Wahlkämpfer benötigt. Über den misslungenen Start seines Wahlkampfes verliert Steinbrück nur ein paar wenige Worte. Doch Zeitgeschichtsstudien, geschweige denn Vergangenheitsbewältigung will der SPD-Kanzlerkandidat nicht betreiben. Deshalb geht er alsbald in die Offensive – und streift schon einmal die Frage, welche Strategie er im Bundestagswahlkampf 2017 verfolgen wird. Also dann, wenn vier Jahre als Kanzler bereits hinter ihm liegen.

Auf Optimismus, und sei es ein Optimismus zum Zweck der Selbstmotivation, ist Peer Steinbrück in diesen Tagen angewiesen. Noch mehr als ohnehin schon. Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Parteivorsitzende ein Drehbuch schreibt für die Zeit nach der Wahl. Sigmar Gabriel, den Steinbrück im Juni öffentlich zu „Loyalität“ ermahnt hatte, wollte ursprünglich am Montag nach der Wahl einen Kleinen Parteitag einberufen, ließ sich dann auf Dienstag ein, bevor die SPD-Spitze die Sache jüngst mit der flexiblen Formel „Dienstag oder Freitag“ entschärfte. Klar ist seither: Gabriel befasst sich in der Zeit vor der Wahl mit der Zeit nach der Wahl.

Das erkannte auch Franz Müntefering, der sich wieder einmal über Gabriel ärgerte und in einem Gespräch mit der „Zeit“ befand: „Wenn Rot-Grün die Wahl besteht, ist der Konvent entbehrlich.“ Mit seinem Interview begab sich Müntefering nun in die Dissidentenszene. „Mir standen die Haare zu Berge“, sagte er über den „misslungenen“ Start des Wahlkampfes. Für Peer Steinbrück habe es „keine Kampagne, keine Bühne, keine Mitarbeiter“ gegeben. Die SPD sucht nach den Beweggründen ihres einstigen Vorsitzenden: Eitelkeit, heißt es, neben dem Hinweis, es gehe Müntefering darum, Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles zurechtzuweisen. An offenen Rechnungen mangelt es nicht.

Als Steinbrück am Donnerstag seine Pressekonferenz zur Energiepolitik beginnt, weiß er, dass ihn Fragen zu Müntefering erwarten. Er nimmt Münteferings Weckruf die Spitze und watscht ihn dezent ab. Die Kritik am Wahlkampfstart teile er, sagt der Kandidat. Nun aber gelte es, nicht über Wahlkampf zu reden, sondern Wahlkampf zu führen. Ähnlich verfährt er mit Gabriels Konventsplänen. Lustvoll in die Offensive redet sich Steinbrück, kaum wird er auf die Kanzlerin angesprochen. Ob es ihn ärgere, dass Angela Merkel ihn ignoriere, will ein Reporter wissen. „Das mache ich auch 2017 mit meinem CDU-Herausforderer so“, antwortet Steinbrück.

Wo sich Steinbrück zwischen Optimismus und subtilem Humor bewegt, übernimmt sein Energiefachmann Matthias Machnig dankbar die Rolle des forschen Bösewichts. Er kommentiert Münteferings Intervention gekonnt ätzend: „Ein hochverdienter Sozialdemokrat hat in einer großen Wochenzeitung sein politisches Leben Revue passieren lassen. Er sprach über Herbert Wehner, Fritz Erler und andere.“ Und dann behauptet Machnig über die Worte seines einstigen Lehrmeisters Müntefering: „Ich verstehe die Aufregung nicht.“