Gewalt

Cholerischer Prügelminister oder selbst Opfer?

Der Schweriner Agrarminister Till Backhaus soll einen Autofahrer geschlagen haben. Er hat eine andere Version

Angefangen hat alles mit einer Meldung: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus sei von einem Auto angefahren und leicht verletzt worden, hieß es am 4. August, einem Sonntag. Inzwischen hat sich der Fall zu einem Skandal ausgeweitet, der den SPD-Politiker in arge Bedrängnis bringt. Seine Immunität wurde aufgehoben.

Nach dem Vorfall war Backhaus zunächst krankgeschrieben. Dann hängte er noch zwei Urlaubstage an, sagte sogar seine Teilnahme an der Vorbereitungspressekonferenz zur Landwirtschaftsausstellung MeLa ab. Backhaus hat diesen Termin in seiner 15-jährigen Amtszeit noch nie versäumt. In seinem Ministerium geht man fest davon aus, dass der Minister am Mittwoch wieder zum Dienst erscheint. „Um zehn Uhr wird er in Warnemünde die Ausstellung ,BAUnatour‘ der Agentur für nachwachsende Rohstoffe eröffnen“, sagte eine Sprecherin.

Es wird ein heikler erster Auftritt. Denn über das, was an jenem Sonntag geschah, gibt es zwei Darstellungen: Einmal ist Backhaus das unschuldige Opfer. Im anderen Fall der cholerische Prügelminister, mit dem sein aufbrausendes Temperament wieder einmal durchgegangen ist. Unstrittig ist, dass Backhaus am besagten Sonntag mit dem Rad unterwegs war. Sein Sohn saß in einem Anhänger, seine Frau fuhr mit dem Rad hinter ihm. Was dann geschah, schildert Backhaus’ Anwalt so: Auf der einspurigen Straße kam der Familie ein Mercedes-Cabrio mit relativ hohem Tempo entgegen und fuhr mit geringem Abstand vorbei. Das Fahrzeug wendete, überholte, wendete noch einmal und versperrte den Weg. Was folgte, soll eine hitzige Debatte über die Pflichten des Ausweichens gewesen sein. Als der Fahrer wieder Gas gab, soll er den Minister angefahren, sich aus dem Staub gemacht und erst drei Stunden später bei der Polizei gemeldet haben. Backhaus habe blaue Flecken an Schienbein und Knie sowie einen Meniskusteilabriss. Der von Backhaus beschuldigte Fahrer ist der Rentner Bernd S., der aus Nordrhein-Westfalen stammt und erst seit Kurzem in Mecklenburg-Vorpommern lebt. Er hat sich Peter-Michael Diestel, den letzten DDR-Innenminister und ersten CDU-Oppositionsführer im Potsdamer Landtag, zum Anwalt genommen. Der stellt den Fall ganz anders dar. Als der Rentner mit seiner Begleiterin langsam an Backhaus vorbeifuhr, habe dieser ihn beschimpft. Als der Fahrer wendete und wissen wollte, warum der Minister ihn so angeschrien habe, soll Backhaus einen „cholerischen Anfall“ bekommen haben, wie es in Diestels Schreiben an die Rostocker Staatsanwaltschaft heißt. Um seine Fahrt fortzusetzen, wendete der Rentner noch einmal. Doch Backhaus stellte sich mit Rad und Anhänger quer und soll gebrüllt haben: „Ich bin Dr. Backhaus und rufe jetzt die Polizei.“ Dann soll sich der Minister an dem Auto selbst verletzt und den Fahrer mit der „geballten rechten Faust“ geschlagen haben, sodass dieser „kurzeitig betäubt“ war. Die Kontrahenten haben sich gegenseitig angezeigt.