Wahlen

Westafrikanisches Krisenland Mali wählt neuen Präsidenten

Knapp sieben Monate nach Beginn der französischen Militäroffensive im westafrikanischen Krisenland Mali haben die Bürger ihren neuen Präsidenten bestimmt.

Zwischenfälle oder Zusammenstöße wurden bei der Stichwahl bis zum Sonntagnachmittag nicht gemeldet.

Zur Wahl standen der frühere Ministerpräsident Ibrahim Boubacar Keïta und der ehemalige Finanzminister Soumaïla Cissé. Beobachter rechneten mit dem Sieg Keïtas, der beim ersten Durchgang Ende Juli auf knapp 40 Prozent der Stimmen gekommen war. Das Endergebnis soll spätestens Freitag vorliegen. Keïta war 2002 und 2007 bereits erfolglos im Rennen um die Präsidentschaft angetreten, bekleidete in Mali aber im Laufe seiner langen politischen Karriere viele andere Posten: er war nicht nur Regierungschef, sondern auch Außenminister und Präsident der Nationalversammlung. Der 68-Jährige gilt auch als erste Wahl der Militärjunta, die im vergangenen Jahr geputscht hatte. Sie hat zwar inzwischen die Macht an ein ziviles Übergangskabinett übergeben, wird aber nach wie vor als einflussreich angesehen. Zudem haben fast alle der 28 Kandidaten der ersten Runde der Präsidentschaftswahl eine Wahlempfehlung für den Ex-Regierungschef abgegeben.

Sein 63-jähriger Rivale Cissé war zuletzt Chef der westafrikanischen Währungsunion. Bei der Flucht vor Soldaten, die zur Junta gehört haben sollen, war er schwer verletzt worden und musste monatelang in Frankreich behandelt werden. Er hatte im ersten Wahlgang 19,4 Prozent der Stimmen errungen. Mali galt einst als als eine der stabilsten Demokratien in Westafrika. Die Wahl am Sonntag war die erste in Mali seit dem Sturz der demokratisch gewählten Regierung im März 2012. Am 1. Juli hatte eine UN-Stabilisierungstruppe die Sicherheitsverantwortung in Mali übernommen. Gut 11.000 Soldaten und 1440 internationale Sicherheitskräfte sollen die Befriedung im instabilen Norden überwachen und den demokratischen Prozess vorantreiben.