Außenpolitik

Iran kritisiert Washingtons Nahostinitiative

Chamenei warnt auch vor Bürgerkrieg in Ägypten

Der geistliche Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, hat die Nahost-Friedensinitiative der USA scharf kritisiert. Die Regierung in Washington sei kein guter Vermittler, weil sie sich auf die Seite Israels schlage, sagte Chamenei am Freitag. Die von den USA initiierten Friedensgespräche würden den Palästinensern „definitiv Schaden zufügen“. Chamenei äußerte sich bei einer Gebetszeremonie zum Ende des Fastenmonats Ramadan.

Israel hatte vergangene Woche die festgefahrenen Friedensgespräche mit den Palästinensern nach fünf Jahren wieder aufgenommen. In der kommenden Woche soll in Jerusalem die zweite Gesprächsrunde stattfinden. Die Palästinenser wollen im Westjordanland, Gazastreifen und in Ostjerusalem einen eigenen Staat gründen. Dies sind Gebiete, die Israel im Sechstagekrieg 1967 eingenommen hatte. Bei den neu aufgenommenen Verhandlungen soll es um die Grenzziehung zwischen Israel und einem möglichen Palästinenserstaat gehen. Der Iran erkennt Israel nicht an und betrachtet den jüdischen Staat seit der Islamischen Revolution von 1979 als Erzfeind.

Chamenei warnte zudem vor einem Bürgerkrieg in Ägypten. „Wir sind beunruhigt über das, was in Ägypten passiert. Die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs wächst von Tag zu Tag, und das ist eine Katastrophe“, sagte Chamenei. Er verurteilte Gewalttaten in Ägypten und rief „das ägyptische Volk, die politischen und religiösen Verantwortlichen sowie die Intellektuellen“ auf, sich der gefährlichen Situation bewusst zu werden. „Wenn der Bürgerkrieg beginnt, wird ihn nichts aufhalten können“, sagte er. Zugleich warnte Chamenei vor einer Einmischung anderer Staaten in den Konflikt.

Mursi-Anhänger protestieren

Zehntausende von Islamisten sind nach dem Freitagsgebet durch die Innenstadt von Kairo marschiert, um gegen die Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zu protestieren. Ägyptische Medien berichteten, die Demonstranten hätten in Sprechchören „islamisch, islamisch“ gerufen, als sie die Kathedrale der koptischen Kirche im Abbassija-Viertel passierten. In der Ortschaft Minschat Abu Omar in der Provinz al-Scharkija wurden mehrere Menschen verletzt, als sich Anwohner und Pro-Mursi-Demonstranten vor einer Polizeiwache eine Massenschlägerei lieferten, wie das Nachrichtenportal youm7 berichtete.