Technik

Breite Allianz im Kampf gegen Ausspähaktionen

Telekom, GMX und web.de machen E-Mails sicherer

Die größten deutschen E-Mail-Anbieter verbünden sich im Kampf gegen Ausspähaktionen aller Art. Künftig sollen E-Mails von GMX, Web.de und T-Online erstmals auf allen Übertragungswegen verschlüsselt werden. Wie die Unternehmen United Internet (Web.de, GMX) und Deutsche Telekom (T-Online) mitteilten, soll die Verschlüsselung automatisch erfolgen, so dass Nutzer dafür keine fremden Programme einsetzen müssen. „Die Speicherung aller Daten erfolgt in sicheren Rechenzentren in Deutschland“, heißt es bei den Unternehmen.

Die Telekom und United Internet (UI) reagieren damit auf die Verunsicherung ihrer Nutzer, nachdem Ausspähaktionen von US- und britischen Geheimdiensten das Vertrauen der deutschen Internetnutzer haben einbrechen lassen. Der Vorstoß fällt zusammen mit der Schließung des verschlüsselten E-Mail-Dienstes Lavabit in den USA, die offenbar auf Druck der US-Behörden zustande gekommen ist. Betreiber Ladar Levison erklärte, er habe vor der Alternative gestanden, zum „Komplizen bei Verbrechen gegen das amerikanische Volk“ zu werden – oder aus dem Geschäft zu gehen. Er dürfe aber keine näheren Details nennen, schrieb Levinson auf der Lavabit-Website. Er würde niemandem empfehlen, seine persönlichen Informationen einem Unternehmen mit „physischer Verbindung“ zu den Vereinigten Staaten anzuvertrauen.

Wenige Stunden später kündigte auch der ähnliche US-Dienst Silent Circle sein Ende an. Die Daten seien bereits vernichtet worden. Silent Circle habe zwar noch keine Durchsuchungsbefehle oder andere Anfragen bekommen, wollte aber gerade deswegen handeln, solange es noch rechtlich möglich war. Der Spionage-Enthüller und frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der den E-Mail-Dienst Lavabit genutzt haben soll, hatte das Vorgehen der Geheimdienste mit Dokumenten offengelegt.

Rechenzentren in Deutschland

Mit ihrem Vorstoß wollen nun die Telekom und United Internet für ihre verschlüsselten E-Mail-Dienste eine Kennzeichnung einführen, so dass Nutzer vor dem Versenden der E-Mail sehen können, ob der Empfänger sich innerhalb des Mail-Verbundes befindet. Mit ihren Portalen vereinigen die Anbieter etwa zwei Drittel aller privat genutzten E-Mail-Accounts in Deutschland für sich. „Wir sind offen für weitere Anbieter“, sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth. Man wolle einen Branchenstandard schaffen. Gespräche mit der Telekom-Tochter Strato, der United-Internet-Tochter 1&1, mit Arcor und Freenet gebe es bereits. Ab sofort seien alle Nachrichtenströme, die zwischen den Rechenzentren übertragen werden, verschlüsselt, heißt es. Für den Weg vom Nutzer zum Mail-Server ist dies jedoch nicht immer der Fall. Verschlüsselt werden derzeit nur Mails, die aus einer Mail-Anwendung von Web.de, GMX und T-Online versendet werden.