Immobiliendeal

Der miese Beigeschmack beim Hausverkauf der Wulffs

Gewinnbringendes Geschäft kratzt erneut am Ruf des früheren Bundespräsidenten

Eins gleich vorweg: Es geht hier wieder mal um Spekulationen. Um Merkwürdigkeiten, Durchstechereien und Verdächtigungen im Fall Wulff, der Medien und Menschen jetzt schon fünf Jahre umtreibt.

Bettina Wulff hat sich am allerlängsten mit jenem berühmten Gelbklinker-Haus in Großburgwedel beschäftigt, mit dessen Kauf das Unglück der Familie seinen Lauf nahm. Im Spätsommer 2008, so schreibt die Ex-Präsidentengattin in ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“, habe sie erstmals im Wohnzimmer des Einfamilienhauses gestanden. Düster und altmodisch habe das Haus gewirkt. Familie Wulff lieh sich Geld von Familie Geerkens, alten Freunden, kaufte das Haus, renovierte es, zog ein. Wenig später standen die ersten Journalisten auf der Matte, die vage Hinweise bekommen hatten, dass die Wulffs das Haus auf Pump gekauft hatten. Man dachte gleich an Carsten Maschmeyer, den großen Sponsor der Hannoveraner Polit-Klicke. Man dachte, wie sich herausstellte, falsch. Das Unglück nahm trotzdem seinen Lauf: Wulff verhedderte sich beim verzweifelten Versuch, seine Privatsphäre zu schützen, war am Ende Amt, Haus, Freund los.

Nun wartet er in seiner neuen Dreizimmerwohnung in Hannover-Waldhausen auf die Entscheidung der zweiten Strafkammer des örtlichen Landgerichts. Deren Vorsitzender Richter Frank Rosenow muss darüber befinden, ob er den Prozess wegen angeblicher Bestechlichkeit gegen Wulff eröffnet. Insofern ist es eine bemerkenswerte Fügung, dass es erneut anonyme Hinweise inklusive Weiterreichens eines Privatdokumentes sind, die den Fall Wulff wieder an die mediale Oberfläche spülen. Reibach-Verdächtigungen inklusive: „235.000 Euro Aufschlag“ hätten die Wulffs durch den Verkauf eingenommen – eine einigermaßen irreführende Behauptung. 415.000 Euro bezahlten die Wulffs 2008, 90.000 Euro investierten sie, wie Bettina Wulff in ihrem Buch berichtet. Bleibt ein Plus von 145.000 Euro, das angesichts der auch in Großburgwedel kräftig anziehenden Immobilienpreise nicht wirklich außergewöhnlich ist. Bereits im März hatten Experten dem Haus einen „erstklassigen Standort“ bescheinigt und Großburgwedel einen kostensteigernden „Mix aus Noblesse und guter Infrastruktur“.

Egal, das Image des Nassauer-Politikers, der von der staatlich finanzierten Aufwertung des Hauses – Stichwort: Sicherheitsmaßnahmen – profitiert, ist mit dem „Stern“-Bericht mal wieder untermauert. Ebenso der Verdacht, dass Christian Wulff sich einige Erzfeinde zugelegt hat im Laufe seiner politischen Karriere. So kann eine gute Nachricht – gewinnbringender Verkauf – am Ende einen ziemlich miesen Beigeschmack bekommen.

Insofern weiß man auch nicht so ganz genau, was jenes Geraune bedeutet, dass durch Hannovers Justizszene geistert. Demnach habe Richter Rosenow beschlossen, den Prozess gegen Wulff nicht zu eröffnen, was auch die sich in die Länge ziehende Wartezeit erklären würde. Eine wasserdichte Einstellungsbegründung zu verfassen, so die Ableitung, dauere nun mal länger als eine einfache Prozesseröffnung. Dies allerdings wäre dann tatsächlich eine rundum gute Nachricht für Christian Wulff.