Alarmbereitschaft

Auch Interpol warnt vor Terroranschlägen

Deutsche Botschaft im Jemen bleibt geschlossen

Nach den US-Warnungen vor Anschlägen hat auch Interpol von einer globalen Terrorgefahr gesprochen. Die Botschaften Deutschlands und Großbritanniens im Jemen bleiben am Sonntag und Montag geschlossen. Die deutsche Vertretung in Sanaa werde an den beiden Tagen aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Zuvor hatten die USA die vorübergehende Schließung von mehr als 20 diplomatischen Vertretungen angekündigt und vor Terroranschlägen gewarnt.

Hintergrund für die Warnung von Interpol sind offensichtlich Massenausbrüche mutmaßlicher Extremisten aus Gefängnissen. Das Terrornetzwerk al-Qaida werde verdächtigt, in die Flucht von „Hunderten Terroristen und anderen Kriminellen“ unter anderem in Libyen, Pakistan und im Irak verwickelt zu sein, erklärte die internationale Polizeiorganisation am Sonnabend in Lyon. Nach Angaben des Außenamtssprechers ist die deutsche Botschaft in Sanaa bislang die einzige, für die eine Schließung vorgesehen ist. Die Reise- und Sicherheitshinweise für den Jemen seien aktuell nicht verändert worden, sagte er. Die Bundesregierung warnt bereits seit Längerem vor Reisen in den Jemen. „Es bestehen erhebliche Risiken durch innere Konflikte, Stammesauseinandersetzungen, Massendemonstrationen und terroristische Anschläge in einzelnen Landesteilen und in der Hauptstadt Sanaa“, heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.

Am Freitag hatte bereits das Außenministerium in London mitgeteilt, dass die britische Botschaft in Sanaa am Sonntag und Montag geschlossen bleibe und ein Teil des Personals abgezogen werde. Ein Sprecher sagte, die Lage zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan in der kommenden Woche bereite den Sicherheitsbehörden Sorge.

Gefahr bis Ende August

Die US-Regierung warnte ihre Bürger am Freitag vor möglichen Terrorangriffen. Es drohten bis Ende August Anschläge des Terrornetzwerks al-Qaida und seiner Verbündeten „vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika“. Diese könnten von der Arabischen Halbinsel ausgehen, teilte das Außenministerium mit. Präsident Barack Obama habe angeordnet, „alle nötigen Maßnahmen zum Schutz der US-Bürger“ zu ergreifen, hieß es aus dem Weißen Haus.

US-Generalstabschef Martin Dempsey sagte dem Fernsehsender ABC News, Ziel der möglichen Anschläge seien „die Interessen des Westens, nicht nur der USA“. Es liege eine Bedrohung vor, die „spezifischer“ sei als in früheren Fällen. Auch der republikanische Abgeordnete Peter King sagte, die aktuelle Bedrohung sei „spezifischer als jede andere, die ich in den vergangenen zehn Jahren gesehen habe“. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, die Warnung vor Anschlägen beruhe auf abgefangener elektronischer Kommunikation zwischen Anführern des Terrornetzwerks al-Qaida. Al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri warf den USA in einer am Freitag bekannt gewordenen Audiobotschaft ein Komplott gegen den Anfang Juli gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi vor.