Verbalattacke

Irans neuer Präsident Rohani beschimpft Israel

Neuer Machthaber will Kompromiss im Atomstreit

Vor seiner Vereidigung als iranischer Präsident am Sonnabend hat Hassan Rohani anlässlich des Al-Kuds-Tags Israel als „Wunde im Körper der Muslime“ bezeichnet. Die laufenden Verhandlungen mit den Palästinensern bewertete der Geistliche am Freitag vor Journalisten als Vorwand Israels, ein friedliches Bild von sich zu vermitteln. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte daraufhin, die Äußerungen zeigten das „wahre Gesicht“ Rohanis.

„Das zionistische Regime ist seit Jahren eine Wunde im Körper der muslimischen Welt, die gereinigt werden muss“, sagte Rohani. Mit Blick auf die Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern sagte er, Israel nutze diese, um seiner „aggressiven Natur“ zum Trotz eine „friedliche Erscheinung“ zu vermitteln. Rohani äußerte sich anlässlich des Al-Kuds-Tags, mit dem seit der iranischen Revolution 1979 am letzten Tag des Fastenmonats Ramadan gegen die Besatzung Jerusalems protestiert wird.

Der Tag wird jedes Jahr von iranischen Politikern zu verbalen Angriffen auf Israel genutzt. Wie viele andere muslimische Staaten erkennt der Iran Israel nicht an. Am Freitag folgten Hunderttausende Menschen in Teheran und anderen Städten dem Aufruf der Regierung, aus Protest gegen Israel und Solidarität mit den Palästinensern auf die Straße zu gehen. Dabei riefen sie „Tod Israel“ und „Tod Amerika“.

Auch der scheidende Präsident des Iran, Mahmud Ahmadinedschad, trat bei der zentralen Kundgebung an der Universität Teheran auf. „Ein verheerender Sturm ist auf dem Weg, der die Wurzeln des Zionismus ausreißen wird“, sagte Ahmadinedschad, der während seiner Präsidentschaft mit häufigen verbalen Angriffen auf Israel und der Leugnung des Holocausts das Verhältnis zum Westen schwer belastet hatte. Israel habe „keinen Platz in dieser Region“, bekräftigte er nun.

Der Kleriker Rohani, der die Präsidentenwahl am 14. Juni in der ersten Runde mit 51 Prozent gewann, gilt für iranische Verhältnisse als moderat. Im Atomstreit tritt er für einen Kompromiss ein, um eine Aufhebung der Sanktionen zu erreichen, die zu einer verheerenden Wirtschaftskrise führten. In seiner Ablehnung Israels unterscheidet er sich wie andere Moderate aber nur wenig von den Konservativen.

Netanjahu erklärte, Rohanis Äußerungen zeigten sein „wahres Gesicht früher als erwartet“. Sie zeigten, „was dieser Mann denkt, und spiegeln die Pläne des Regimes wider“. Israel befürchtet, dass der Iran, sollte er eine Atombombe erhalten, diese gegen Israel einsetzen könnte. Seit der Wahl Rohanis drängt Netanjahu den Westen, den Druck auf den Iran nicht abzuschwächen. Beobachter warnen dagegen, dass die Gelegenheit für eine diplomatische Lösung nicht verpasst werden sollte. Der Vorsitzende der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Bijan Djir-Sarai (FDP), warnte vor grundsätzlichem Misstrauen gegenüber Rohani.